Die Säulen der Demokratie…

  • Von René Schindler
  • Lesedauer: 4 Min.
  • Erfahre, warum ehrenamliches Engagement so verdammt wichtig ist

Unentgeltlich, aber doch unendlich wertvoll (Quelle: Pexels)

Oder: Was von den Hiobs Botschaften über AfD Erfolge auf kommunaler Ebene zu halten ist.

  1. Vereinsmeierei??
  2. Und was heißt dies konkret?
  3. Die Milieus
  4. Auf geht´s ins Ehrenamt

AfD Landräte, Bürgermeister oder Fast-Oberbürger – die Rechtspartei ist ganz oben…. oh Verzeihung, unten, in den Verästelungen der Kommunalpolitik angekommen. Das ist neu, benötigt man doch dafür Bürgernähe, Empathie und vor allem: Soziales Engagement. In Vereinen vor Ort.

Vereinsmeierei??

Demokratie lebt vom Engagement der Bürger:innen, und das beschränkt sich bei weitem nicht nur auf den Bereich der Politik. Die im Bundestag
vertretenen Parteien bilden auf lokaler Ebene einen Verein.

Wer aber genauer hinschaut, stellt fest, dass Deutschland ein Land voller Vereine ist.

„Ehrenamtliches Engagement ist ein Markenzeichen von Deutschland“, sagte die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel, und tatsächlich: Etwa 580.000 Vereine existieren in unserem Land – große Bundesligavereine wie die Eintracht Frankfurt
mit 75.000 Mitgliedern, aber auch ein lokaler Fotoverein mit rund zwanzig Mitgliedern.


Vereine stiften Identität, gewähren Teilhabe und prägen das kulturelle Leben vieler, vor allem kleinerer Orte. Hier leben Menschen, die sich in der Freizeit, am Feierabend oder Wochenende engagieren und dabei womöglich gerade den Torschützen für das Finale der
Fußball-WM 2026 ausbilden.

In einigen Jahren evtl. Profis? (Quelle: Wikimedia)

Arbeitskollegen schauen neidisch, wenn man mal eine Stunde
früher geht, Nachbarn rümpfen vielleicht über die Vereinsmeierei die Nase – aber das ist es wert!

Das ehrenamtliche Engagement in Vereinen und Verbänden kommt nicht nur den Mitgliedern zugute, denn mit ihrer Zeit, ihrem
Wissen und ihren Methoden
erzeugen die Ehärenamtler:innen etwas, das über den Vereinszweck hinausgeht: die Zivilgesellschaft.

Und was heißt dies konkret?

Was das heißt, möchte ich am Beispiel meiner eigenen Erfahrung erläutern.

Macht nicht reich, aber oft sinnerfüllend

Im Verein lernt man Menschen mit unterschiedlichen Ansichten kennen. Richtig spannend ist z.B. die Entsendung in öffentliche
Ehrenämter
– das kann ein Ratsgremium auf lokaler Ebene, z.B in der Stadt Frankfurt/Main sein, ein Prüfungsausschuss der örtlichen Kammer oder die Selbstverwaltung unserer Sozialversicherung in der DRV. Auch für diese Gremien fanden im Frühjahr 2023 (alle sechs Jahre, teinehmen dürfen alle Bürger:innen ab 16 Jahren, das sind die rosa Briefe) Wahlen statt – die Sozialwahlen.

Ich selbst habe über die Tätigkeit in solchen Ehrenamtspositionen zu meiner aktuellen Arbeit gefunden. Nachdem ich mich durch die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft als Prüfungsausschussmitglied einer Kammer qualifizieren ließ, wurde ich im Frühjahr 2015 zum Prüfer berufen.

In diesem Ehrenamt nahm ich an Weiterbildungen teil, war bei Kongressen sowie bei der Ehrung der Landesbesten zu Gast.

Die Milieus

Dabei bin ich mit vielen unterschiedlichen Menschen ins Gespräch gekommen. Viele entstammten den typischen Milieus der alten
BRD
: Konservative, Liberale, Sozialdemokraten und Menschen, die den Bündnisgrünen nahestehen.

Eine Gruppe aber konnte ich in all den Jahren nie antreffen: Anhänger von reaktionären Parteien. Ein Zufall? Ich glaube nicht. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass ehrenamtliches, soziales Engagement unter den AfD-Anhängern stark unterrepräsentiert ist.


Es ist eben einfacher, via Social Media etwas anzuklicken, als sich in der Freizeit, abends oder am Wochenende mit echten Menschen
auszutauschen und gemeinsam einen Konsens zu finden.

Genau hier aber, in unzähligen Diskussionen und Kompromissen am Feierabend und am Wochenende, liegt die Basis einer funktionierenden Demokratie.

Eine zarte Pflanze, wächst und gedeiht… wie Deine Persönlichkeit im Ehrenamt

Auf geht´s ins Ehrenamt

Die Beteiligung an der Bundestagswahl ist wichtig, keine Frage – aber unsere Demokratie wird vor allem von den ehrenamtlichen Menschen in den Vereinen und Verbänden getragen. Egal ob Flüchtlingshilfe oder Lesezirkel, Telefonseelsorge (Dazu existiert ein eigener Blogbeitrag) oder Lokalpolitik, wann startest Du?

KopfArbeit

Hinterlasse einen Kommentar