Warum Life-Coaching die Hexenkunst der Neuzeit ist…

  • Von René Schindler
  • Lesedauer: 20 Minuten
  • Erfahre, warum die meisten Coaching Angebote im Netz Bullshit sind.

  1. Was haben Coaching-Angebote mit Hexerei zu tun?
  2. Was ist Coaching genau?
  3. Marketing Hintergründe
  4. Warum braucht man ein Coaching?
  5. Der Trichter beim Coaching….?
  6. Die einzelnen Schritte bis zum Kauf….
  7. Welche Qualifikationen benötigt ein Coach?
  8. Ausbildungs-Dauer für ausgewählte Berufe
  9. So schützt Du Dich vor unseriösen Coaches:
Abstract:

Wie man sich vor unseriösen Coaching Angeboten schützt, viel Geld spart und welche Schwächen alle Life-Coaching Anbieter haben. Dazu eine kurze Marketing Betrachtung.

  1. Was haben Coaching-Angebote mit Hexerei zu tun?
  2. Was ist Coaching genau?
  3. Marketing-technische Hintergründe
  4. Warum braucht man ein Coaching?
  5. Technischer Hintergrund beim Coaching….?
  6. Die einzelnen Schritte bis zum Kauf….
  7. Welche Qualifikationen benötigt ein Coach?
  8. Ausbildungs-Dauer für ausgewählte Berufe
  9. So schützt Du Dch vor unseriösen Coaches:

Oder: Warum jede Imbißbude seriöser und nachhaltiger aufgestellt ist als alle Life-Coaching Anbieter im Internet.

Es gibt wieder Zauberer und Hexen… in unserer aufgeklärten Gesellschaft. Im 21. Jahrhundert. Real, nicht in Netflix Serien… (aber auch selbstverständlich da).

Klingt das verrückt? Natürlich. Die Hexen und Zauberer der heutigen Zeit nennen sich natürlich anders. Sie werden als „Life-Coaches“ oder seriöser: „Psychologische Berater:innen“ bezeichent. Man trifft sie auch für bestimmte Kategorien an wie z.B. „Flirt Coach“. „Dating Coach.“ „Wellness Coach“.

Ihnen allen gemein ist, dass sie stark via Social Media für ihre Dienstleistungen werben, sehr viel bloggen (Branchenslang: Content createn) oder auf YouTube mit vielen Videos vertreten sind. Dort versuchen sie unter meist reißerischen Titeln um Clicks, Follower und zahlende Kunden zu buhlen. Und – by the way – Die „spirituelle“ oder „esoterische“ Fraktion dieser Anbieter bezeichnet sich tatsächlich als Hexen oder Magier

Aber der Reihe nach. Als Zauberer und Hexen wurden in früheren Zeiten Menschen bezeichnet, welche (angeblich) bestimmte Gaben hatten und den Herrschenden (das waren religiöse und weltliche Obrigkeit, also Fürsten, Könige sowie die Kirche) ein Dorn im Auge war. Deswegen wurde diese verfolgt. Sie boten Liebestränke an, legten zur Zukunftsschau die Karten oder deuteten die Sterne. Den Menschen wurden oft einfache Lösungen für meist komplexe Problemstellungen geboten.

Umgekehrt wurden viele Menschen unter dem Verdacht z.B. eine Hexe zu sein, im Mittelalter grausam gefoltert, um ein „Geständnis“ zu erpressen und anschließend ermordet.

Um den Bogen zur heutigen Zeit zu spannen – Wer kennt nicht Bannerwerbung auf Websites, Instagram Posts oder Facebook Ads auf denen Coaching Angebote werben – für ein besseres Leben. Für besseren Sex. Für eine bessere Männlichkeit. Für das Auflösen von Blockaden.

Diese Palette ließe sich beliebig fortführen. Coachingangebote, aber auch ebenso die Nachfrage danach schießen seit Jahren in die Höhe. Mit ihnen die Umsätze der Coaching-Anbieter:innen, die sich darüber freuen.

Ähnlich wie Hexen und Zauberer sollte man diese Entwicklung außerordentlich kritisch unter die Lupe nehmen. Vor allem unter Marketing- und Bildungsaspekten lohnt sich ein tieferer Einblick, welcher weiter unten folgt.

Woher kommt der Begriff Coaching?

Dieser englische Terminus bedeutet so viel wie „Kutscher“ und wurde vor hunderten Jahren für Personen genutzt, welche Menschen vom Standort „A“ nach Standort „B“ transportieren. Diese Metapher des bewegens wird ebenso bis in die heutige Zeit genutzt in der Coaching-Branche – ein Begleiter soll der Coach sein, welcher seinen Schützling, den sogenannten Coachee, bei dessen Werdegang begleitet.

In den 1970er Jahren wurde dieses Berufsbild geschaffen. Ein Coach war für das obere Management amerikanischer Firmen eingesetzt, um die Leistung der Personen zu erhöhen. Nach einigen Jahren wurde Coaches auch im middle und lower Management eingesetzt. Mit dem gleichen Ziel: Leistungssteigerung und stärkere Performance. Ebenso wird bei Profimannschaften im Sport der verantwortliche Leiter als Coach und nicht mehr als Trainer bezeichnet.

Seit ca. 15 Jahren findet etwas statt, was selbst Experten und Branchenkenner ein Staunen hervorruft: Coaching Angebote erhalten sukzesive in privaten Lebensbereichen Einzug – sei es, um Konflikte in der Partnerschaft zu glätten oder sich sportlich zu trimmen, aber auch um individuelle Ziele, meist aus dem zwischenmenschlichen Bereich, zu erklimmen.

Die Vorreiter dieser Entwicklung waren, wie so oft, die USA. Mittlerweile findet man bei uns zu jedem erdenklichen Lebensthema eine Palette an kommerziellen Angeboten rund um Beratung und Coaching.

Was ist nun das Besondere an diesem Thema und warum sollte es wichtig sein, dies auf dem Schirm zu haben?

Marketing ist nicht alles – aber ohne Marketing ist alles nichts, so eine Sentenz dieser Disziplin.

Um ein Verständnis dafür zu bekommen, beleuchte ich kurz die Hintergründe. In der Marketing Lehrbuchdefinition werden Güter und Dienstleistungen auf einem Markt gehandelt. Dienstleistungen werden persönlich erbracht, sind „flüchtig“ (z.B. eine Beratungsleistung, also etwas das man nicht anfassen kann) und auch nicht beliebig reproduzierbar, wie die Massenfertigung eines Konsumproduktes in einem Betrieb.

Coaching ist per Definiton also eine „Dienstleistung“. Um eine Dienstleistung zu handeln, also zu verkaufen, benötigt man mit Kaufkraft ausgestattete Personen, welche mit dieser Dienstleistung ein Bedürfnis befriedigen, den sog. Bedarf. Treffen Anbieter und Käufer zusammen, so bezeichnet man dies als einen „Markt.“

Das kann man sich wie auf einem Jahrmarkt vorstellen, auf dem Händler lautstark und theatralisch ihre Waren anpreisen. Ein Beispiel dafür wäre der Hamburger Fischmarkt, an jedem Sonntag morgen bietet sich ein solches Spektakel für Einheimische und Tourist:innen.

Händler und Käufer auf dem Hamburger Fischmarkt

Das Angebot und ein mit Kaufkraft ausgestatter potentieller Käufer sind natürlich nicht alles, was einen Markt auszeichnet. Vielmehr sind es weitere Rahmenbedinungen, die je nach den zu handelnden Gütern und Dienstleistungen sich stark unterscheiden:

  • 1. Umweltbedingungen
  • 2. Politische Rahmenbedingungen
  • 3. Wie viele Anbieter gibt es (Wettbewerbssituation)
  • 4. Rechtlicher Zutritt (Gesetze und Verordnungen)
  • 5. Gesellschaftiche Trends und
  • 6. Technologische Erneuerungen

Rahmenbedingungen für Märkte (von Gütern & Dienstleistungen)

Diese sechs Punkte sind grob gesagt, der Rahmen für jeden Marketer, welcher Handel treiben möchte.

Einige dieser Punkte erleichtern den Markt-Zugang, andere erschweren ihn.

Betrachten wir nun diese Marktbedingungen für Coachingdienstleistungen. Dafür sind die letzten beiden Rahmenbedingungen außerordentlich wichtig, erfüllen sie quasi einen starken Push Effekt. Die gesunkenen Kosten für Internet und Kommunikationsdienste wie eMail und Social Media ermöglichen es, breit seine Angebote zu streuen, quasi jeder kann sich die Website oder das Onlineangebot anschauen, unabhängig von der Lokalität.

Der Gesellschaftliche Trend geht eindeutig positiv in diese Richtung- in Medien, in der Werbung, im Alltag – Coaching/Psychologische Beratung ist quasi omnipräsent und erzeugt damit bei vielen Menschen ein positives Gefühl.

Güter und Dienstleistungen erfüllen bestimmte Bedürfnisse für die Nachfragenden.  Besteck bspw. erfüllt das Bedürfnis, komfortabel zu essen. Ein Auto das Bedürfnis sich auto-nom von A nach B zu bewegen. Ein Konzertbesuch erfüllt das Bedürfnis seine Lieblingsband live zu erleben aber auch das Bedürfnis sich evtl. in Sozialen Medien mitzuteilen.

Welches Bedürfnis erfüllt nun konkret ein Coaching??

Ganz klar- man erhofft sich eine sportliche Figur. Man lernt seinen Traumpartner kennen. Oder man steigert seine kommunikativen Fähigkeiten in bestimmten Bereichen. So wird es zumindest von den Anbietern suggeriert.

Kann man also nun sagen ein Auto, oder Besteck oder ein Konzertbesuch sind genauso wie eine Coaching Dienstleistung etwas das man kauft, um ein Bedürfnis zu befriedigen?

Ganz so einfach ist es nicht ;-)…. Dazu muss man noch etwas tiefer reinschauen. In die Marketing Theorie.  Bei einem Life-Coaching Angebot gesteht man sich ein, einen Mangel zu haben.  Man ist zu dick und unsportlich… man ist nicht mit seinem Traumpartner zusammen…. oder man kann bestimmte Fähigkeiten schlichtweg nicht – und benötigt deswegen Hilfe von einem Coach.

Im strategischen Marketing werden solche Güter, die diese Bedürfnisse befriedigen, als sog. Unsought Goods bezeichnet. Ähnlich wie eine Sterbeversicherung (Nutzen– Die Hinterbliebenen können die Beerdigung zahlen, ohne zu verarmen) oder Särge (Nutzen – Stilvolles Ende des Lebens).

… also jede Person, welcheein Coaching anbietet weiss, dass der Nutzen für den Käufer zwar wichtig ist, und einen konkreten Nutzen erfüllt….aber man sich mit diesem Thema NICHT begeistert widmet.

Ich denke das leuchtet ein. Eine Konzertkarte kauft man begeistert. Man fiebert dem Termin förmlich entgegen, er ist lange im voraus im Kalender markiert. Der Abend soll unvergesslich werden. Auf ein neues Auto freut man sich – und sammelt Informationen, nimmt eine Probefahrt oder sieht sich Social Media Posts darüber an. Die meisten Gebrauchsgegenstände, die man käuflich erwirbt, erfüllen einen Nutzen und man empfiehlt den Kauf begeistert in seinem Freundes- und Bekanntenkreis.

Ein Coaching, jetzt für Singles, die sich eine Beziehung wünschen, für Menschen die gern sportlicher wären oder für Schüchterne die kommunikativer werden?? Das entfaltet wenig Sogkraft. (Der Push-Effekt bleibt aus). Das ist unangenehm. Lieber das Konzertticket kaufen oder ein neues Auto. Und, hey warum nicht einen neuen Gebrauchsgegenstand???

Was ist also der Trick, um Life-Coachings an Abnehmer:innen zu bringen?

Da kommen wir zum 6. Punkt. Der technologischen Erneuerung. Ohne Web 4.0 und Social Media würde sich nahezu kein Life Coaching Angebot verkaufen!

Schaut man sich einen beliebigen Anbieter auf dem Life-Coaching Markt an, so ist exakt ein und das gleiche Schema feststellbar.

Es existiert eine Landingpage, also eine Hauptwebsite, wo der Anbieter sich und seinen Werdegang kurz vorstellt, sein Portfolio und viele, viele begeisterte Testimonials zu Wort kommen lässt. (Das sind ehemalige Kund:innen, welche das Coaching buchten und begeistert davon anderen mitteilen – aber auch oft ein Goodie dafür bekommen, z.B. einen gratis Videokurs, oder ein Gratis Buch o.ä.)

Achtung! Auf der Landingpage landet man als Interessent aber nie zuerst. Dies ist den Kund:innen vorbehalten.

Im Onlinemarketing kent man den Sales Funnel. Einen Trichter, welcher im Idealfall den Interessenten eines Instagram Posts nach einiger Zeit in zahlende Kundschaft transformiert.

Erst wird man neugierig, dann klickt man etwas an,
bekommt etwas gratis und am Ende wird
man Kunde. Der Sales Funnel
im Online Marketing.

Dafür dient Social-Media. Dies kann man sich als eine Art Fischernetz vorstellen. In den Weiten des www gibt es feste Häfen. Wir alle kennen diese und nutzen sie täglich. Sie heißen: Instagram, Facebook, tiktok, oder Snapchat & X. Ihnen allen ist gemein, dass sie Zutritt nach Zahlung in Form von euren Daten ermöglichen und nur die Beigetretenen können in diesen „Häfen“ alles konsumieren, kommentieren und teilen.

Dort taucht also ein Infohappen auf. Ein kurzes Video oder auch ein Banner. Mal geht es ums Leben, mal um die Qualität, mal ums abnehmen oder sich seinen Blockaden stellen. Man wird quasi getriggert und ohne direkt danach zu suchen, kommen reißerische Werbebotschaften, bunt und quirlig daher. Man klickt kurz an und Zack- betritt man den Rand des Sales-Funnels. (Stufe 1) Möchte man weitere Infos (oft wird mit einem Gratis PDF oder einem exklusiven Video geködert), hinterlässt man seine E-mail und bekommt das versprochene Tool.

Dies ist aus rechtlicher Sicht (der 4. Punkt des Marktzutrittrahmenbedingungen) auch notwendig, dass man bestätigt, seine E-Mail anzugeben um etwas zu bekommen. Darauf kommen wir später noch einmal zurück. Denn für den Verkaufsprozess gibt es juristische Regeln- wie es mit den Coachings ausschaut, dazu später mehr.

Hat man einmal seine E-Mail abgegeben, bekommt man regelmäßig Post. Es sind subtile Werbebotschaften, doch für dieses Problemchen etwas aus dem Portfolio des Coaches zu erwerben. Wie es der Zufall will, gibt es auch noch einen satten Rabatt dazu. Man klickt die Landingpage an und siehe da… tatsächlich kostet das Produkt auf der Landingpage deutlich mehr als der Link in der E-Mail… Sapperlot! Also wenn das mal kein Zeichen ist.

(Marketer (so werden Marketingspezialisten genannt) sprechen hier von einer sog. Mondpreisstrategie. Natürlich bezahlt niemand für die Leistung den angegebenen Preis auf der Landingpage. Man kennt es ja noch nicht!! Deswegen der Weg über den Salesfunnel.)

Nun kommt Stufe 2 der Marketing Psychologie: der Preis gilt nur, bis zu einer Frist. Und diese läuft jede Sekunde ab. Eine fette digitale Uhr zählt erbarmungslos bis auf 0.  Jetzt aber schnell. Sonst zahlt man den Preis, welchen alle auf der Landing Page zahlen müssen. (Exklusivitätsmerkmal) Dazu kommt…

Stufe 3: Eine großzügige Geld-zurück-Garantie. 30, 60 oder 90 Tage. Na, wenn das nix ist dann…..(Unterbewusstes Appelieren an das richtige – Kaum jemand gibt so etwas zurück – es dient nur als Kaufreiz.)

Flankiert wird das ganze mit Stufe 4. Den Testimomials. Überall bekommt man Stimmen von echten Käufer:innen, die sich begeistert über das Produkt äußern. Die genau das gleiche Problem mit dem Gewicht, dem fehlenden Partner oder fehlenden Skills hatten wie der User vor dem Bildschirm. (Identifizierbarkeit) Also folgt nun Stufe 5…

Gekauft!!!! Egal ob es um Flirtcoachings, Kommunikation oder Abnehmen geht. Ein Tool, das man nicht aktiv suchte, wird durch Social Media angetriggert, man gibt für exklusive Inhalte seine Mail Adresse raus und erhält Newsletter um Newsletter... und letzlich den finalen, getakteten Preiscountdown für über 70 % Rabatt usw. ….

Neben den erwähnten Hafen im Meer in Form der Social Media Tools des www, gibt es auch noch sog. mobile Rettungstrupps. Diese kann man sich so vorstellen, dass man wild etwas in die größte Suchmaschine eingetippt, in der Hoffnung etwas zu finden was einem weiterhilft… und siehe da, der Algorithmus im Hintergrund (oder das SEO Marketing) schickt den „Rettungstrupp“ und man gelangt zu einem gut lesbaren Blog.

Toller Content, alles gratis und tolle Fotos sowie in der nächsten Stufe zu YouTube, also bewegtes in Ton und Bild. Auch dort kommt die Aufforderung über kurz oder lang etwas Exklusives gegen Zahlung seiner E-Mail zu bekommen…. dann erfolgen die 4 Schritte wie oben erwähnt ebenso bis zum finalen Kaufprozess (Call to Action wird das im Marketingsprech genannt).

Sicher kennt der eine oder andere von euch solche Angebote.

Jetzt wisst ihr, dass Coaching in der Marketing Gütertypologie als Unsought Goods bezeichnet werden. Und dass eine perfekte Content Marketing Masche dahintersteckt. Egal ob ihr im sicheren Hafen (Social Media) ans Web angedockt seid, oder ein Rettungsboot sucht. (Blog) Dahinter steht ein ausgefuchstes System von Internetspezialisten, Google Analytikern und Content Marketing Experten, die genauso vorgehen wie ich es oben beschrieben habe.

Als nächstes möchte ich den rechtlichen Rahmen (Punkt 4) aus meiner Agenda im Coaching Angebot unter die Lupe nehmen.

Sicher haben viele Coaches eine Ausbildung gemacht, studiert oder sich spezialisiert. Die formelle Bildung unterliegt in Deutschland mehreren Gesetzen. Da sind die Landeshochschulgesetze, da Unis und FHs Ländersache sind.

Coaches werden bislang nciht im Bildungssystem ausgebildet!

Da gibt es das Berufsbildungsgesetz für die duale Aus- und Weiterbildung, ein Bundesgesetz mit Verordnungen für alle 288 dualen Ausbildungsberufen, die man in Deutschland erlernen kann.

Für Fernlerner gibt es das Fernunterrichtsgesetz, für Volkshochschulen div. Ländergesetze.

Worunter fällt nun die Qualifikation für Coaches????

Man glaubt es kaum. Aber im Titelland Deutschland, in der für den Betrieb einer Imbiß Bude auf einem Marktplatz viele staatliche Auflagen notwendig sind (z.B. u.a. Lebensmittelverordnung, Gewerbeschein, Schank- und Aussteller Lizenz u.a.) gibt es tatsächlich für selbständig tätige Coaches keine geregelte Instanz dafür.

Mal braucht es einen Gewerbeschein, aber auch das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

15 Minuten verbringt man mit Bestellung und Verzehr an einem Imbissstand.

Für einen Arzt braucht es 7 Jahre Studium. Für Richter:innen 12 Jahre Ausbildung. Für KfZ Mechatroniker 3,5 Jahre duale Ausbildung. Für Apotheker:innen 5 Jahre. Für Aufseher:innen im Museum einen mehrwöchigen Kurs samt Prüfung vor der Kammer.

Aber für einen Coach braucht es an offizieller Ausbildung…

Nichts!!!!!!!!!

Wow.

Was ist das Kompetenzprofil eines Coaches?

Schaut man sich hier die Verbände (Interessenvertretungen an), gibt es kein einheitliches Bild.

Zusammenfassend kann man sagen:

  • Kommunikative Kompetenz
  • Reflektionskompetenz
  • Psychologische Kompetenz und
  • Soziologische Kompetenz
  • Plus die Fachkompetenz in dem Bereich in dem man tätig sein möchte.

Aber Achtung- Jetzt kommt noch einmal der Rahmen und die Gesetze dazu:

Bereiche, welche Gesundheit, Psychologie oder Körper betreffen, unterliegen einer Besonderheit.

Pathologien, das sind Krankheiten u.a. dürfen nur von fachlich ausgebildetem Personal behandelt werden.

Konkret heißt dies-

Süchte, Depressionen, Ängste, Burn Out, Esstörungen, Wirbelsäulen Deformation… das ist vier Berufs-Gruppen vorbehalten-

  • Physiotherapeut:innen
  • Ärzt:innen
  • Psychotherapeut:innen und in Abstufungen
  • Heilpraktiker:innen (für Psychotherapie)

Ist man in keinem dieser Berufe ausgebildet, verbietet sich….

  • die Behandlung,
  • die Werbung off- und online &
  • die öffentliche Äußerung samt Empfehlung zur Heilung!

Oder praktisch gesprochen- Sobald ein Life-Coach Anbieter Kenntnis davon erlangt, dass ein Klient (Das Wort Patient ist für Menschen die sich Medizinisch behandeln lassen korrekt, aber niemals bei einem Life-Coach!!) muss diese Person ihn zu einem medizinisch ausgebildeten Menschen überweisen.

Ein Life-Coach darf in seinem oder ihrem Social Media Account oder auf der Website nicht über diese Themen werben oder suggerien, dass professionelle Hilfe geleisten werden kann.

Das ist auch kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, welche bei zuwiderhandeln mit Freiheitsentzug bestraft werden kann.

Ein Life-Coach (Lebensberater, Psychologischer Berater) darf präventiv tätig werden und allgemein Techniken und Methoden zur Stressminderung lehren.

Mit diesem Wissen verengt sich das Handlungsfeld der meisten Life-Coaches. Dieser Punkt verdeutlicht, warum der Aspekt der Social-Media-Aktivitäten so wichtig ist.

Es sind vor allem bestimmte Themenfelder, die eine starke Motivation auslösen und diese kann man auf drei runterbrechen-

Erfahre hier, um welche drei Themen es sich handelt:
  • alles rund um Sexualität
  • alles was mit Fitness (Sport/Ernährung) zu tun hat
  • und selbstredend das Thema Finanzen.

Reich, schön und begehrenswert sind starke Motive von uns Menschen. Viele unseriöse Life-Coaches nutzen dies für die Akquise leider schamlos aus!

Attraktiv, wohlhabend ein selbstbestimmtes Leben mit einer sehr hübschen Frau – Gerade Flirt Coaches werben damit um ihre Zielgruppe.

Gerade wer in diesen drei Bereichen gegen Geld coachen möchte, sollte über eine nachgewiesene Expertise verfügen und diese auch nach außen darstellen.

Viele Coaches haben daher eine zertifizierte Qualifikation von Verbänden, welche einheitliche Branchenstandards und Curricula nutzen.

Das ist besonders in Fällen von Kommunikations- oder Psychologischen Methoden der Fall, wie bei NLP, Transaktionsanalyse oder bei Systemische Ansätzen.

Diese gehen diesen Weg, um dem Qualitätsgedanken Rechnung zu tragen. Das ist zwar deutlich unter einem reglementieren Berufs-Abschluss, aber immerhin ein verfasstes Qualitätsversprechen für potenzielle Kunden nach außen.

Natürlich kommt es letzlich auf die Expertise an und nicht auf die Anzahl an Scheinen oder Titel, so der geäußerte Einwand von unseriösen Life-Coaches…

Nimm einen Bio-Chemiker, der nach 4 Semestern hinwirft sein, und sein Wissen fortan aus YouTube bezieht und berufllich tätig wird. Unehrlich..

Nimm einen Mediziner, der die Prüfung nicht besteht und ebenfalls, weil er vieles weiss, eben praktiziert. Lebensgefährlich…

Oder nimm eine Juristin, welche nach 6 Semestern exmatrikuliert wird, sich Halbwissen angeeignet hat und etwas Rhetorik. Sie gibt Rechtsseminare. Verlogen…

Aber was sind Qualitätsmerkmale, woran Du dich orientieren kannst?

Der erste sollte sein, zu klären, um welches Thema es sich handelt. Ist es eines der drei sensiblen (Sex, Fitness und Finanzen) halte Dir stets vor Augen, besonders sensibel zu sein und nicht auf die Sales Funnel Masche reinzufallen! Bitte Außenstehende um ihre Meinung zum Produkt/der Website. Das ist immer ein gutes Qualitätsmerkmal.

Als weiteren Schritt schau Dir die Qualifikation des Anbieters an. Und – seine Erfahrung.  Ein Finanzcoach sollte seine Expertise belegen können mit Referenzen aus dem Finanzsektor. Ein Beziehungscoach sollte privat Beziehungen führen (und zudem über ausreichend Lebenserfahrung verfügen. Das lässt sich unspektakulär am Alter festhalten – ein 25 Jähriger hat zweifelsohne weniger Erfahrung wie ein 40 Jähriger).

Schließlich sollte folgende Praktik hinterfragt werden. Der Life-Coach verdient Geld am Klienten. So weit, so wertneutral.

Da Unsought Goods angeboten werden, und die Klienten nach Grundsätzen des seriösen Coachings den Coach immer weniger sehen sollen um Abhängigkeitsverhältnisse zu meiden, prüfe in welchem Intervall man den Coach sieht. Und welche Upselling Produkte angeboten werden. Ist es ein weiteres Coaching, dem ein Seminar und Aufbauseminar folgt und evtl. weitere hochpreisige Produkte??? Mit satten Rabatten??

Dies zählt zum Geschäftsmodell der Life-Coaches die vorhandenen Klienten bestmöglich zu schröpfen…. äh persönlich weiter zu entwickeln…. Mit Aufbauseminaren, vertieften Coachings, Videokursen und Exclusiven Reisen usw. usf.

Im Idealfall verfügt der Life-Coach über eine Anstellung, so dass er von Geldern der Klient:innen nicht abhängig ist und man sicherstellen kann, dass es rein um die Sache/ das Anliegen geht. Und nicht um den Verdienst des Life-Coaches. Es leuchtet ein, dass man bei einem Hauptjob auf selbsttätiger Basis als Life-Coach auf Einkünfte angewiesen ist. Und viel Social Media und Online Werbung benötigt. Oder eben viele Upsellings…. 😉 Damit tut man dem Coach sicher etwas Gutes, aber sich selbst nicht unbedingt.

Eine der sichersten Methoden ist die, den Anbieter zu Fragen und auch, wo angebracht, Kritik zu üben.

Man stellt leider fest, dass bei solchen Vorgängen die Anbieter ein anderes Gesicht zeigen und ihre eigenen gepriesenen Philosophien ad absurdum führen. Das ist natürlich ein Worst Case und disqualifiziert einen seriösen Anbieter!

Ich habe in der Einleitung davon gesprochen, dass es Hexen und Magier wieder gibt. Es sind die unseriösen Life-Coaches. Nachdenklich sollte die These stimmen, dass die einzige rechtliche Hürde für diesen Markt sich auf der werblichen Seite befindet. Für E-Mails muss ein Einverständnis gegeben werden (DSgVO, UWG) es dürfen keine Heilversprechen gegeben werden und Krankheits Linderung darf kein Life-Coach bewerben.

Über die Qualifikation schweigt sich der Gesetzgeber aus. Auch der Zutritt in den Markt ist lediglich mit einem Gewerbeschein des lokalen Ordnungsamtes zu erhalten.

Ein Life-Coach verlangt für seine Dienste mitunter Tausende Euro und hat erheblichen Einfluss, bis hin zu fast guruhaftem Verhalten, die an Sektenführer erinnern. Das es anders geht, zeigt das Beispiel Österreich- dort unterliegt der Coach (Arbeits- und Lebensberater) einem Marktzugang durch staatliche Intervention. Ach ja – firmiert ein Life-Coach weit außerhalb von Deutschland oder gar der EU laut Impressum – BITTE FINGER WEG!

Wenn man sich vor Augen führt, dass Digital Marketing Kenntnisse, Social Media Magie und das Beherrschen von Content Marketing Zauberei ausreicht um Fuss zu fassen– dann kommen einem unweigerlich Bilder in den Kopf von Hexen und Magiern. Diese hatten einen zweifelhaften Ruf, triggerten die gleichen Motive in den Menschen an wie heute (Schönheit, Reichtum, Gesundheit), und verfügten ebenfalls über keine geordnete Ausbildung (die Handwerksausbildung der Zünfte geht weit bis ins Mittelalter zurück).

Zum Glück für die Coaching Branche, dass es weder Todesstrafen oder Pranger heutzutage gibt, welche man für Magier und Hexen des Mittelalters einsetzte. 🙂

Nur noch im Museum zu sehen – oder in Filmen über alte Zeiten.


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