- Von René Schindler
- Lesedauer: 16 Minuten
- Was wirklich relevant war am Fall Lindemann/Rammstein
- Das Vorspiel
- Kurzer Rückblick
- Mai 2023 – Start der Stadion Tournee
- Prophetische Songtexte
- Die drei Ebenen
- Die Bewertung
- This is the End…

Oder: was Du alles von Rammstein lernen kannst, hinsichtlich Meta-Kommunikation, Machtstrukturen, Medien (auch Sozialen) und Psychologie.
„Manches sollte, manches nicht
Zeit, 2021
Wir sehen, doch sind wir blind
Wir werfen Schatten ohne Licht„
Das Vorspiel
Die wahrscheinlich beste Serie des Sommers von 2023 läuft weder auf Netflix oder Disney+, sie wird nicht im Kino erscheinen und das beindruckendste- sie wird in dieser Besetzung wohl nur einmal aufgeführt werden.
Ende Mai 2023 war der Start. Guter Termin, Beginn der Sommerzeit, lange sonnige Tage, entspannt draußen sitzen. Und die beste Tragödie im Sinne Aristoteles, in fünf Akten, stark besetzten Emotionen wie Furcht, Angst, Mitleid bis hin zum katharsischen Element am Ende, das gleich einem Orgasmus sich Bahn bricht.
Es gibt einen Hauptdarsteller, Gegenspieler(innen), falsche Freunde, unerwartete Wendungen und viele viele Statistinnen und Statisten.
Die Regie ist aufgeteilt und der Clou an dieser Serie ist, dass sie überdimensioniert, cross-medial übertragen wird. Ohne Werbeunterbrechung, dafür mit vielen parallelen Cliffhanger und Spannungsbögen. Und beindruckenden Special Effects. Zugleich ist dieses Spektakel ebenso ein Sittenbild unserer Gesellschaft im Sommer 2023.
Und im nihilistischen Sinne eines Nietzsches gibt es in diesem Stück keine Guten oder Bösen, kein schwarz und weiß kein Oben und unten. Am Ende bleibt keine Gewissheit mehr wie sie davor war.
Das sei an dieser Stelle bereits vorweggenommen.
Aber der Reihe nach.
Kurzer Rückblick
Diese Geschichte handelt von sechs Männern in ihrem 6. Lebensjahrzehnt, welche zusammen seit den frühen 90ern Musik machen.
Sie kennen sich aus dem Osten Deutschlands, in den Wirren der Nachwendezeit finden sie in Berlin & Schwerin zusammen. Desillusioniert und mit Blick auf das neue nennen sie sich erst Tempelprayers, dann nach dem Namen einer Kleinstadt in Rheinland-Pfalz, bei dem es zu einem Unglück während einer Fliegershow kam. Mit dem Wechsel des Bandnamens von englisch auf deutsch werden auch die Texte von englisch auf deutsch gewechselt.
Während die ersten Alben der Gruppe geradlinigen, mitunter stumpf berechenbaren harten Rock samt Keyboard Geplänkel hergeben, werden die späteren Alben des Sextetts stimmiger, melodischer und sogar mit Gesang garniert. Nicht mehr nur ausschließlich mit röhrendem Gebrüll und rollendem R.
Äußerlich sehen die Bandmitglieder nicht wie Vertreter harter Rockmusik aus – gepflegtes Auftreten, kurze Haare, modische Anzüge. Das Spiel mit der Provokation, das sie gegen Ende der DDR mitmachen durften, jetzt wird es Teil ihrer Aufritte, ihrer PR und Teil ihrer Identität.
Was sie mitunter besonders macht, ist die Tatsache der Textinhalte ihrer Songs. Diese bewegen sich im Themenfeld menschlicher Abnormität. Inzucht, Missbrauch, Sodomie, Nekrophilie, Süchten und Trieben.
Das sind sicher nicht die Art Texte, welche Einzug auf den Olymp der Musikindustrie versprechen. Die meisten Menschen würden sich daher angeekelt abwenden. Dass es anders kommen sollte, und mitunter Zehntausende Menschen diese laut mitsingen, ist ein Beleg des Freudschen Instanzenmodells.
Hervorzuheben ist, dass die Symbolik des lyrischen Ichs stets metaphorisch und in Anspielungen diese Abgründe der menschlichen Gesellschaft streift. Dazu diese leicht eingängigen Rhythmen, die Pyroshows und das Gespür der Musiker, medial stets perfekt zu provozieren– eben die Sozialisation in der späten DDR.
Es kam wie es kommen musste, die Gruppe wurde erfolgreicher und expandiert erst nach Europa und anschließend über den großen Teich. Mit deutschen Texten und brachialen Rock und Feuershow! Man rieb sich Ende der 90er die Augen. Wow, so etwas war einzigartig faszinierend.
Das unfassbare geschieht- in Ländern wie Frankreich, USA und in Mexiko in denen man diese zum Klischee überstrapazierten Eigenschaften stets belächelt bis ablehnt – werden sie angenommen! Und abgöttisch verehrt.
Auch der härteste Kritiker der Gruppe kann nicht davon weg, dass sie es geschafft haben, die deutsche Sprache wieder interessant für Menschen, die vor Jahrzehnten damit nichts anfangen konnten, gemacht zu haben. Dies ohne staatlichen Auftrag, allein aus der zunehmenden Beliebtheit der Gruppe außerhalb Deutschlands und dem Bedürfnis von Fans, sich mit dieser Sprache näher zu beschäftigen.
Wer sucht findet genug Belege, dass es Hörer:innen auf der ganzen Welt gibt, welche wegen der Liedtexte Deutsch lernten (Es wurden kaum Songtexte übersetzt und diese zudem niemals live performt).

Größe geht allerdings auch immer mit großer Verantwortung einher. In den letzten Jahren war die Rockgruppe mit der Pyroshow so groß und so erfolgreich, dass sie in den größten Stadien der Welt gastierten. Und mit ihnen Zehntausende Fans pro Abend.
Und hier beginnt quasi der Pilot dieser Serie, welche bis heute anhält.
Mai 2023 – Start der Stadion Tournee

Zum Auftakt der Europatournee in der estnischen Hauptstadt Vilnius, gab es wenige Tage später einen medialen GAU.
Eine junge Konzertbesucherin (U30, Generation Z) beklagte mit medialer Aufmerksamkeit Missbrauchsvorwürfe auf der Pre- und Afterparty auf ihrem (der tatsächlich an diesem Tag erstmalig online ging) Twitter X-Account. Es folgte ezwas Text und Fotos ihres tätowierten Körpers mit starken Hämatomen.
Kurze Rückblenden- Natürlich war sich die Gruppe wegen Ihres Auftretens, ihrer Texte und dem an NS-Größen erinnernden Sprechgesang sehr oft heftigen Medienkampagnen ausgesetzt. Das konnte man allerdings eher als übliche Beißreflexe einer Gruppe Medienmenschen abtun, welche eben die Deutungshoheit über Kultur innehaben möchten.
Wer sich mit der Vergangenheit der Gruppe beschäftigt, einige teils epische Songtexte anhört und verinnerlicht hat, dass es Ihnen um Gewinnmaximierung geht, (und das ist mit dem Stigmata „Nazi“ bekanntlich nicht mehr möglich), der tat das Raunen in den Feuilletons des Blätterwalds als das ab was es war. Ein Raunen eben.
Prophetische Songtexte
Das, was nun seit dem Frühjahr 2023f eintrat, ist mehrere Schichten tiefer und viel intensiver, als man sich auszumalen vermochte.
Oder um es mit dem Œuvre der Band auszudrücken, welche das ganze geradezu prophetisch in einzelnen Songtiteln der letzten Jahre vorwegnahm:

War alles nur eine inszenierte Tragikomödie, der Fall, die Mädchen, die Anklage, die Medien….?
Ein ALTER MANN (Sehnsucht, 1997) sagt- ICH WILL (Mutter, 2001) eine PUSSY (Liebe ist für alle da, 2009) für SEX (Unbetitelt 2019) und am besten, jung und WEISSES FLEISCH (Herzeleid, 1995).
Dabei geht es weniger um HEIRATE MICH (Herzeleid, 1995), sondern viel mehr um SPIEL MIT MIR (Sehnsucht, 1997) mit MEIN TEIL (Reise, Reise, 2004) sowie um BÜCK DICH (Sehnsucht, 1997) und natürlich um das REIN RAUS (Mutter, 2001) Spiel.
Der Frontmann hält sich für DER MEISTER (Herzeleid, 1995), und hielt alles für OK (Zeit, 2022) denn es galt:
FEUER FREI (Reise, Reise, 2004), ob er dachte ICH TU DIR WEH (Liebe ist für alle Da, 2009) wird juristisch geklärt.
Wird man jemals wieder unbefangen EIN LIED (Rosenrot, 2005) der Band hören können, ohne voreingenommen zu sein? Die restlichen Bandmitglieder gehen allesamt auf Tauchstation und antworten eher wortkarg – sind sie wohlmöglich alle keine ENGEL (Sehnsucht, 1997), erfolgt nun der Bann aus dem RADIO (Unbetitelt, 2019)?
Sollten die Vorwürfe aus der medialen on- und offline Blase justiziabel werden, heißt es wohl endgültig: ADIOS (Mutter, 2001), vielleicht nach MOSKAU (Reise, Reise, 2004), da freut man sich über vom im Westen in Ungnade gefallene Künstler. ASCHE ZU ASCHE (Herzeleid, 1995).

Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, sollen sogar Zwege lange Schatten werfen
Die drei Ebenen
Beginnen wir im Folgenden nun mit einer Betrachtung auf 3 Ebenen.
Ebene 1) Die Juristische
Jedem sollte klar sein, dass Tatbestände wie Missbrauch, Gewalt und nicht einvernehmliches Sexualverhalten Tatbestände aus dem Strafgesetzbuch darstellen und mit Haft/sehr hoher Geldstrafe belegt wird. Juristische Fälle laufen über eine Strafanzeige bei der Polizei ab – anschließend laufen Ermittlungen an, es kommt zur Anklage durch die Staatsanwaltschaft sowie einem Gerichtsprozess, wobei sich der Angeklagte mit Anwälten verteidigen darf. Soweit der formelle Ablauf für Juristen.
Kommunikationsprofis erkennen in einem Gerichtsverfahren ebenfalls ein Statement – sehr gute Anwälte sind auch sehr gute Rhetoriker und es gilt das Gesetz der Fallhöhe. Vor Gericht sind alle Menschen gleich. Ein Prominenter, welcher angeklagt wird, erhält besonders viel mediale Aufmerksamkeit (und diese muss er, als Person des Öffentlichen Lebens auch erdulden, das ist der Preis des Ruhmes – und das scheinen einige der eifrigsten Verteidiger der Band sowie des Frontmannes ganz zu vergessen).
Selbstredend gilt in unserem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung. Bin ich aber Prominent (und ich denke, mit 20 Millionen verkaufter Platten, darf man jemanden Prominent nennen), habe ich mediale Berichterstattung zu ertragen. Dazu gibt es Richterliche Entscheidungen, welche Prominenten Kläger:innen eben das Recht absprechen, auf mediale Berichterstattung zu verzichten. Tja, Shit happens. Dieser Punkt tangiert vor allem die fanatischen Anhänger der Band, welche an folgenden Kommentaren erkennbar sind:
A) „So lange nix bewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung…“
B) „Das ist ja eine mediale Hetzjagd…“
C) „Es fehlt leider an Beweisen…“
Alle drei Aussagen offenbaren mangelnde Kenntnis unseres juristischen Systems. Über einen Promi, welcher seine Sexualität in Wort und Schrift seinem Auditorium ausbreitet, gelten nun einmal andere Maßstäbe und dies wurde auch im Beschluss des LG Hamburgs so festgehalten.
Natürlich ist der Weg von einer Anschuldigung bis zum Beweis ein Langer. Aber was soll die Alternative sein?
Zu Punkt C: Deswegen spricht man auch von sog. Verdachtsberichterstattung! Wenn viele Zeuginnen, vieles aussagen, das ähnlich klingt und es sich um einen Straftatbestand handeln könnte bei einer Prominenten Person, ist es die ureigene Aufgabe der Presse, darüber zu berichten.
Im Umkehrschluss kann man sich bei einigen der vor allem auf Social Media tätigen Protagonisten schon fragen, wieso hier beim Frontman der grossen deutschen Rockband andere Masstäbe angelegt werden als wenn es Tatbestände gibt, welche von Geflüchteten begannen worden sein KÖNNTEN?
Doch dazu im nächsten Punkt mehr.
Ebene 2 ) Die Mediale Ebene
Diese Ebene stellt das Kernstück im Sommerlichen Mediendrama dar. Und belegt Eindrucksvoll, welche Macht sog. „Webvideoproduzenten“ (das ist die offizielle Bezeichnung für YouTube Influencer) bekommen und dass die traditionellen Medien immer mehr nur eine Steigbügelhalter Funktion einnehmen und den Sozialen Medien Raum geben.
Zugleich belegen die Aktionen auf dieser Ebene, wie sehr es um eine Deutung aus 2. oder gar 3. Hand geht, wie viel Falschinformationen und Gesinnungshaltung die Filterblasen der Sozialen Medien doch zementieren.
Aber der Reihe nach.
Ausgelöst wurde der Skandal durch einen Social Media Post einer Nordirin auf Twitter X. Einer Social Media Plattform, welche eine begrenzte Anzahl an Text und Bildern zulässt (und vor einigen Jahren durch die Posts seines berühmtesten Nutzers, des 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, enorme mediale Präsenz erlangte).
Besagte Nordirin startete am selben Tag einen Account und betitelte diesen sogar reißerisch sie sei das Mädchen welche beim Konzert der Gruppe unter Drogen gesetzt worden sei. Es folgten Fotos ihres entblößten, mit bunten Tätowierungen gestalteten Oberkörpers, dazu einige heftige Hämatome.
Und eben besagte Anschuldigung- dies sei ihr vor- und nach dem Konzert passiert. Die Öffentlichkeit erfuhr von der Existenz einer „Row Zero“ von einem Akquise System via Social Media, auf welcher überwiegend hübsche junge Damen gesucht wurden, von wilden Pre, After- und After- Afterparties und als krönenden Abschluss von einem schwarzen Raum unter der Bühne. (der einige Zeit später als „Suck Box“ Berühmtheit erlangte)
Was folgte war nun die mediale Berichterstattung über die klassischen Medien und nahezu im Stundentakt neue, Vorwürfe mit ähnlichem Inhalten über die Social Media. Das Image der Band als kalkulierte Bad-Boys die sich jedoch innerhalb der gesellschaftlichen Normen bewegen, war mit einem Mal zerstört. Diesmal ging es nicht um die Inhalte der Songtexte oder Videos mit RiefenstahIinhalten, nein es ging um mögliche Straftatsbestände.
„Bitte bleib stehen, bleib stehen
Zeit, 2021
Zeit, das soll immer so weitergehen„

Von außen – Konzert in München, Juni 2023
Man ist schon geneigt zu fragen, wieso diese besagte Nordirin sehr viel Energie in die Darstellung von Inhalten auf Social Media setzte, und viele Interviews gab, aber nicht den Weg zur Polizei einschlug (erfolgte zwar, aber dies weniger offensiv wie der Weg in die Social Media Öffentlichkeit.
Nebeneffekt dieser Strategie – Man erfuhr, dass die Zuschauerinnen in der Row Zero nichts für das Ticket der Konzerte bezahlen mussten. Der Preis des Tickets des Autors dieser Zeilen betrug für das Konzert am 18.07.2023 In Berlin stolze 129,-€.
Der Gratiszugang zur Row Zero ermöglicht auch den Zugang zur PreParty und diversen After Parties.
Im Fahrwasser der Nordirin trat ebenfalls eine junge deutsche Frau auf das Feld, welche Ihren Lebensunterhalt mit dem Erstellen von Videos auf YouTube bestreitet. Ganz harter Tobak bekam der Zuhörer geboten, denn der Titel lautete:
So geht es wirklich auf den After Show Parties der Band zu.
Anfang Juni 2023 erfuhr der geneigte Zuschauer, dass die junge Dame im Sommer 2022 zu einer After Party eingeladen worden war und sich der privaten Party widersetze.
Dabei äußerte sie Inhalte, welche eindeutig strafbar (zwischenzeitlich wurde sie durch die Medienanwälte des Frontmannes mit einer Unterlassungserklärung beschwert) waren und führte nahezu keine eigene Belege dafür an – ausser dem Hinweis auf das Erleben der besagten Nordirin auf dem Konzert in Estland.
Monate später, mittlerweile sammelte ein Verein, welcher sich dem Kampf gegen Rechtsextremismus widmet, einen großzügigen Spendentopf mit einer hohen sechsstelligen Summe für angebliche oder tatsächliche Opfer des Frontsängers.
Die junge Dame hat auf YouTube mit diesem Video allein fast 6 Millionen Klicks erzielt, wer sich mit den Algorithmen und der Monetarisierung von Social Media auskennt, beziffert Einnahmen von ca. 20.000 Euro.
Da die Frau sich wahrscheinlich des Spendentopfes für Opfer des Frontmannes bedienen kann, stellt sich die Frage nach der eigenen Verantwortung … Diese wird sie erst in ihren 30ern übernehmen. In der Realität brachten ihr die sechs Millionen Klicks allerdings 0, wie folgendes Zitat belegt:
„Die Angaben der Zeugin Kyla Shyx, die zunächst über „Youtube“ Vorwürfe erhoben hatte, blieben in den Vernehmungen zu unkonkret – zumal die Zeugin jedenfalls kein eigenes Erleben strafrechtlich relevanter Vorfälle schildern konnte. Die von ihr geschilderten Umstände stellten entweder Rückschlüsse aus Beobachtungen dar oder sind ihr von anderen geschildert worden. Andere von der Zeugin benannte Personen sollen entweder schon nichts strafrechtlich Relevantes beobachtet haben oder wurden nicht hinreichend identifizierbar benannt und konnten auch durch die weiteren polizeilichen Ermittlungen nicht namhaft gemacht werden. Eine unmittelbare Vernehmung war daher nicht möglich.“
Pressemitteiung der Generalstaatsanwaltschaft Berlin, 29.08.2023
Es folgte zwischendurch noch ein Folgevideo der gleichen Dame, in welcher sie junge Frauen aufrief, wenn diese Opfer von Missbrauch oder ähnlichem wurden sich bei ihr zu melden!! Also YouTube ersetzt Medien, Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht.
Im Sommerdrama um die Rockgruppe erfolgte nun die Interaktion zwischen Sozialen und Klassischen Medien. Für Junge Menschen gelten private Firmen wie YouTube, Instagram oder Tiktok als primäres Informationsmedium, dessen publizierte Inhalte in die virtuelle Öffentlichkeit gleichbedeutend sind wie Inhalte von Medien, für welche das virtuelle lediglich ein Distributionskanal darstellt. Medienpädagogen sollte dies in Alarmbereitschaft versetzen.
Zwischenzeitlich wurde eine Kommunikationsagentur durch die Band engagiert, welche zum klaren Auftrag hatte, das Bild der Gruppe nach außen positiv darzustellen. Aber das machen Profis nicht selbst. Vielmehr kommen Personen aus dem Umfeld der Gruppe zu Wort, die nur das Positive hervorheben.
Das waren einerseits klassische Promis-
a) Eine Ex Partnerin mit der Message, was für ein toller Typ er sei,
b) ein in die Jahre gekommene Musikmanager, der sich nicht entblödet zur besten Sendezeit in einer Talkshow den Zusammenhang zwischen Alter x Musikalische Darbietung x Sexueller Potenz zu sinnieren und
b) Der Drummer der Band. Endlich eine Stellungnahme aus dem inneren der Band! Ein Geschwurbel, wie sehr sich der Sänger eine eigene Blase erschuf, dass er traurig sei aber, dass man doch bitte jungen Frauen die sexuelle Selbstbestimmung nicht ausreden solle und na klar es fanden Dinge statt welche das persönliche Moralempfinden tangieren aber eben keine illegalen.
Alles in einem Instagram Statement, das ist sicher die hohe Kunst des PR. Solche verbalen Pirouetten, welche die Kritiker ruhigstellen, die Fanbase jubeln lassen und Futter für die Medien (klassisch, social, print- und web) liefern…. Einfach Großartig.
Weniger klassische Promis waren dies:
a) Besucherinnen der Row Zero vergangener Jahre, welche nix auffälliges erlebten und eben eine tolle After-Show-Party skizzierten,
b) Die Fanbase, welche sich der juristischen Argumentation bediente, meist bei A stehenblieb und
c) selbsternannte Dating-Coaches mit kruder Pick-up-Artist
Vergangenheit, die sich für durch den Staatsschutz überwachte Online Medien nicht entblöden, ebenfalls die juristischen Argumente zu wälzen, den Gerichtsbeschluss als Sieg verkauften (was die Straftatsbeschwerten Vorwürfe betrifft, stimmt es, aber darum ging es nie).
Man halte sich vor Augen – eine Band mit ostdeutschen Wurzeln welche im Punk Subgenre ihre Wurzeln hat, wird von nun von Neu-Rechten verteidigt, obwohl die Band Diversität offiziell feiert (Regenbogenfahne bei Konzerten in Osteuropa, sich küssende Gitarristen in einem Land mit mangelhaften LGBTQ-Rechten, das Boot in einem Musikvideo.)
Erinnert sei zudem, an einen Artikel der Jungen Freiheit zur Besprechung ihres Songs „Deutschland“, in welcher man die Meta-Meta Ebene dann doch stark kritisierte und das Anbiedern an die Progressiven in Politik und Medien kritisierte – und dass die Band vom rechten Wege abgekommen sei.

Ebene 3) Die psychologische Metaebene
Nun kommen wir zum eigentlichen Kern der seit Monaten medial aufgeladenen Debatte.
Auf der oberen Schicht erkennt man die juristischen Anschuldigungen gegen einen berühmten Sänger und Lyriker rund um Missbrauch und Gewalt.
Die vor allem medial in einer überhitzten Blase stattfindenden Debatte aus Nebenfiguren, welche sich auf YouTube etwas Ruhm erhoffen, Süddeutschen Medienhäusern im Verbund mit dem Öffentlich-Rchtlichen Rundfunk. Hamburger Sturmgeschütze der Demokratie im Fahrwasser von Berliner Boulevardblättern. Eine Fanbasis welche im Zuge zunehmender Säkularisierung quasi einen Sänger einer Rockband wie einen Gott verehrt.
(Das Verhalten der Fans ist leider der negativste Part von allen Beteiligten. Wer die Live Konzerte der Band im Sommer besuchte, konnte sich davon ein Bild machen. Innerhalb der Komzertbesuchsgruppe waren alle willkommen, die vereinzelten Gegendemonstrationen wurden allerdings verbal und unter Drohungen stark abgewertet. Es existierte nur schwarz oder weiss.)
Der Zeitgeist unserer Gesellschaft geht dahin, dass Sexualität vielerorts eingedämmt wird, vieles ist „spießiger“ und letzten Endes ist es auch eine Frage der Haltung. Für Vertreter der Generation Z spielt Sexualität nicht mehr die gleiche Rolle wie für vorherige Generationen. (Wir erinnern uns, die Anklägerinnen entstammen allesamt dem Alter nach dieser Generation.)
Natürlich ist es unzumutbar, dass junge Frauen gecastet werden für eine Pre-Party, (Merkmal der Exclusivität) dort Zugang zu Alkohol bekommen und mit Männern in Kontakt kommen, welche millionenschwere Superstars sind (Systemisches Machtgefälle), mit diesen interagieren und als einzige Währung ihre Jugendlichkeit + Schönheit investieren (Tauschmodell & Freudsches Instanzenmodell, ES Ebene), eine Situation erzeugt wird in welcher zwar gesagt wird, jeder könne die „Party“ verlassen, aber visuell durch Security Personal (Ambivalenz) eine Grenze gezogen wird. (Gruppendynamisches Machtgefälle).
Schließlich, und das darf laut dem Beschluss des Landgericht Hamburg, weiterhin darüber berichtet werden, das eine als „Suckbox“ mediale Berühmtheit erlangte Vorrichtung unter der Bühne geführt werde.
Dort empfing der Frontmann ausgwählte junge Damen welche den Selektionsprozess erfolgreich bestanden hatten, während seine Bandkollegen in einem Remix zum Deutschland-Lied auf der Bühne die rockigen Gefilde verlassen, um zu elektronsicher Musik zu tanzen.
Es gibt in den weiten des WWW Videos darüber, welche den Frontmann in dieser Konzert-Pause zeigen, wie mit jüngeren Frauen sexuell interagiert wurde- und er anschließend nach den elektronischen Musik Darbietungen in den Gesang für den Song wieder einsteigt.
Diese Box wurde von den Eventplanern eingerichtet, aufgebaut und es hatten mehrere Personen inklusive der Band Kenntnis von diesen Vorgängen.
Das galt in der Nachwendezeit 1995 sicherlich als Ostvariante von Sex, Drugs und Rock´n Roll….
Im Sommer 2023 hat man damit allerdings dank Trends wie #MeToo, Social Media Kommunikation und einer sensibilisierten Öffentlichkeit nicht mehr den Zeitgeist hinter sich.
(Darüber, dass junge Frauen der Auffassung sind, das posieren in Social Media und das Anziehen einer beträchtlichen Anzahl an Followern (m) sei bereits ein Qualifikationsbeleg von Frauen, um zu Rockstars „backstage“ zu gehen, darüber sollte vor allem die feministische Fraktion mal länger diesbezüglich nachdenken und dezidiert Stellung beziehen. Es können dabei Wörter wie Sexismus, Toxisches Verhalten und Privilegien gern genutzt werden, auch um sie im Sinne einer etymologie zu reframen. Das wäre echtes persönliches Wachstum und charakterliche Prägung!)
Und schlußendlich muss man damit rechnen, eben von den Medien zum Fraß vorgeworfen zu werden.

Die Bewertung
Letztlich sind Gesetze nur Leitplanken, in dessen Rahmen legal und illegal definiert wird und das Gericht ist die Instanz welche Sanktionen verhängt.
In das Bewustein der Öffentlichkeit ist die eigens installierte „Suckbox“ unter der Bühne, das perfide Castingsystem für Pre-, After- und After-After-Show Systeme sowie das verschanzen einer Millionenschweren Rockband hinter Anwälten geradezu „lindemannesk“ eingesickert.
Ebenso die als verstörend empfundenen Pornoclips, die vor wenigen Jahren als Kunstform definierte Vergewaltigungsphantasie des Gedichtbandes, welche u. U. Hinweise auf eine gestörte männliche Sexualität geben könnten – dies selbstredend auf die mediale, der Öffentlichkeit bekannten Figur bezogen, niemals auf seine wahre Person.
Juristisch ist er damit nun erst einmal davonkommen, das überraschte juristische Profis allerdings nicht weiter. Aber wie das eben immer so ist bei Medienkampagnen – man zielt immer höher als man zu treffen vorgibt um einen harten Punch zu landen, den man so nie bekommen hätte da die Deckung zu stark ist.
Till´s Lindemann mag mutmaßlich ein gestörtes Verhältnis zu seiner Sexualität mit deformierten Persönlichkeitsmerkmalen aufweisen und ein solcher Typ (in der Psychotherapie könnte man dies zu der Klasse Narzisst, Histrioniker zählen..) zieht das entsprechende weibliche Gegenstück an, wie Fliegen das Licht (in der Psychotherapie könnte man dies zu der Klasse Persönlichkeitsstörungen vom Boarderline Typ zählen).
Die Kultur des Abendlandes ist voll solcher Interaktionen auf der Bühne, in der Literatur, dem Kino und abendlichen Serien im TV…
This is the End…

Es wird daher kein juristisches, sondern ein moralisches Urteil gefällt. Und zwar das über einen Mann, der sich über Vertraute junge Damen zuführen lässt, in Machtstrukturen gefügig machen lässt, um sich niedere sexuelle Befriedigungen in einem Umfeld, in dem es keine Kritik mehr gab, zu verschaffen.
Andere Musiker und Kabarettisten, sowie die Medien haben ihn bereits – juristisch niemals angreifbar, da bekanntlich Kunstfreiheit im Land verfssungsrechtlich (Art. 5, Abs. 3 GG) exisitiert- zur Witzfigur degradiert.
Und so etwas bekommt man nie wieder aus der Welt. Mit fatalen Folgen für die Person, deren Beruf und das ökonomische. Wie die Stellungnahme seiner Plattenfirma beweist.
Man kann angegriffen werden…
…man kann verleumdet werden…
……man kann eine Gegendemo bekommen…
……………man kann einen Internet-Shitstorm erhalten……
….und man kann vor Gericht durch die Staatsanwaltschaft verklagt werden. (Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens)
Aber wenn die brutale Vertreibung aus dem Rock-Olymp auf den harten Grund des profanen stattfindet, man zur völligen Witzfigur personifiziert, den Zeitgeist ob der eigenen Größe schamlos außer Acht lässt, verliert man alles und wird quasi vogelfrei (die sänger vögeln ja nicht mehr, Konzert in Berlin am 16.07.2023, so ein abgewandeltes Zitat).
…
-Oder um mit seinen Worten abzuschließen-
„Wenn unsere Zeit gekommen ist
Zeit, 2021
Dann ist es Zeit zu gehen
Aufhören, wenn’s am schönsten ist
Die Uhren bleiben stehen„

