- Von René Schindler
- Lesedauer: 10 Minuten
- Erfahre, warum der Lebenslauf wichtig ist und wie Du deinen optimal einsetzt
Oder: Wie der Lebenslauf als individuelles und unverfälschtes Zeugnis bei Stellensuche und Bewerbungen eingesetzt werden sollte.
- Der Inhaltliche Aufbau
- Die Darstellungsformen des Lebenslaufs
- Was zum Lesen, mit rotem Faden und Überraschung
- Der Klassiker – Chronologisch
- Kompetenzprofile – funktionelle Lebensläufe
- Der Amerikaner – umgedreht chronologisch
- Sprachen, Führerscheine und IT… was kann man wie und warum?
- Ei, ei, ei….die Lücke…

Triple A gilt in der Welt der Beratung und der Bewertungen als herausragend. Personaler dagegen schütteln über die Drei A´s in Bewerbungen öfter den Kopf. Welche Drei A´s sind das?
- AI, also künstliche Intelligenz
- Anschreiben, die man mit AI erstellen kann und
- Arbeitszeugnisse, welche eine Sicht wiedergeben, die beeinflussbar ist. (Zum Thema Arbeitszeugnisse erfolgt ein eigener Blogartikel)
Der Lebenslauf, oder der CV, oder auch das Kompetenzprofil ist das einzige Dokument in deinen Bewerbungsunterlagen, welches Dich von anderen Bewerber:innen abheben lässt, welches so einzigartig wie Dein Fingerabdruck ist und im Idealfall Deine Persönlichkeit perfekt abbildet.

Im Gegensatz zu einem Bewerbungsanschreiben, was sich in Sekundenschnelle via KI Programme erstellen lässt (oder auch via Menschlicher Intelligenz und etwas Haptik, also dem klassischen Copy and Paste der Prä KI Zeit ), gibt es beim Lebenslauf mehrere Dinge zu beachten:
- Der inhaltliche Aufbau
- Die Kompetenzdarstellung
- Das Eliminieren von Fragezeichen beim Personaler und
- Wie geht man mit Lücken um?
Der Inhaltliche Aufbau
Im Gegensatz zu früheren Vorgaben sollte ein Lebenslauf heutzutage viel stärker kompetenzorientiert als am rechtlichen Status der bisherigen beruflichen Stationen orientiert sein. Einige Autoren gehen sogar so weit, einen Lebenslauf als Kompetenzprofil zu bezeichnen. Was genau daran der Unterschied ist, darauf gehen wir im Laufe des Artikels noch ein.
Fakt ist, dass der Lebenslauf vor allem in Online Bewerbungen oder bei telefonischen Anfragen (und darauffolgender Versendung) ohne Anschreiben und kontextlos eine starke Überzeugungskraft besitzen soll, um zu einer Einladung fürs Jobinterview zu gelangen.
Die gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass der Lebenslauf selbst zu einer sozialen Instanz geworden ist welche diese abbildete.
Mütter in Erwerbsarbeit, Menschen in beruflicher Umorientierung, Phasen von Sabbaticals und Pflege von Familienangehörigen, junge Studierende mit Auslandsaufenthalten, Menschen mit beeindruckenden Ehrenämtern, welche wiederrum Rückschlüsse auf deren Persönlichkeiten rückschließen lässt oder auch Parallele Phasen von Selbständigkeiten und dem Erwerb von Methodischen und Kommunikativen Kompetenzen.
In der „alten Erwerbsgesellschaft“, welche bis zur Wende Bestand hatte galt es folgende Dreiteilung in beruflichen Lebensläufen:
- Schule / Aus- und Weiterbildung
- Erwerbstätigkeit und sozialer Aufstieg
- Ruhestand
Für Frauen war es normal, dass man nach der Heirat und Geburt eines Kindes anstelle der Erwerbsarbeit in die Haus- oder wie es heutzutage heißt, Carearbeit ging und allenfalls Teilzeit oder in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen ging.
Diese Lebensläufe entsprachen der sog. „Normalbiographie“, in welcher die Erwerbsarbeit für Kontinuität und Stabilität sorgte und kurze Phasen der Arbeitslosigkeit die einzigen Ausnahmen darstellten, Berufswechsel selten waren und Branchenwechsel einen Bruch der Norm darstellten, welcher mit persönlichen Einschnitten bis Sanktionen verbunden war. Viele Personalentscheider in den Betrieben orientieren sich an dieser „normalen Erwerbsbiographie“, obgleich sie in der heutigen Zeit seltener anzutreffen ist.
Wenn es eine Diskrepanz gibt zwischen den Erwartungen der Personaler:innen an die Bewerbenden, so gibt es nur eine Möglichkeit, diese zu egalisieren – über eine proaktive Darstellung des eigenen Lebenslaufes in zwei Darstellungsformen: der Zeitfolgenanalyse und der Positionsanalyse.
Die Darstellungsformen des Lebenslaufs
Die Lebensläufe werden komplexer und individueller. Migrantische Bewerber, mit Fluchthintergrund, Frauen mit Erziehungspausen, Menschen mit Phasen der Selbständigkeit, die zurück in eine Festanstellung wollen oder Personen die über rein non-formale Bildungsbiographien verfügen neben Bildungsprofis, mit mehren Abschlüssen, vielen Zertifikaten für Weiterbildung verfügen über komplexe und mitunter für Entscheidungspersonen schwer verständliche Lebensläufe. Der Maßstab früherer Lebensläufe gilt nicht mehr daher ist die Herausforderung, diese Kompetenzen geeignet und gut lesbar zu unterbreiten.
Daher werden eine Zeitfolgenanalyse und eine Positionsanalyse für Lebensläufe von Personalern durchgeführt.
Für jede Firma und übergeordnet für jede Branche gibt es einen Idealbewerber (m, w, d). Je nach Stellung innerhalb der Wertschöpfung (Produktion, Weiterverarbeitung, Handel, Dienstleistung oder Service), der Größe des Betriebes, der Wettbewerbssituation (Monopol, oder viele Konkurrenten), und dem Ansehen des Berufsbildes in der Gesellschaft (Internationale Anwaltskanzlei oder Inhabergeführter Elektrobetrieb) unterscheiden sich die Berufe mitunter sehr stark von der Toleranz hinsichtlich der Abweichung vom Idealbewerber.
Die rigidesten Vorstellungen und die geringste Toleranz gegenüber Abweichungen von der informellen Norm einer Branche gibt es Berufen in internationalen Kanzleien und Wirtschaftsberatungen, dort gilt es als Auszeichnung, wenn die Bewerber als sog. Miniklone der Jobinterviewer gelten.
Sehr hohe Toleranzen gibt es bei Tätigkeiten, welche eine geringe gesellschaftliche Stellung innehaben, sehr gefährlich sind und die leicht austauschbar sind.
Mithilfe der Zeitfolgenanalyse werden Normalitätserwartungen hinsichtlich, Aus- und Weiterbildungen, Betriebszugehörigkeiten und etwaige Nichtbeschäftigungszeiträume abgeglichen und Schlussfolgerungen über persönliche Eigenschaften (Disziplin, Motivation) und Eignungen des Bewerbers gezogen.
Daher sollte jeder Bewerber die Normen der jeweiligen Branche kennen und diese bereits in der Darstellungsform des Lebenslaufes abbilden.
Mithilfe der Positionsanalyse erfolgt eine Einschätzung hinsichtlich der Tätigkeiten im Berufsleben. Auf- und Abstiege, erworbene Kenntnisse, aber auch das Marktumfeld. Diese Darstellung ist sehr herausfordernd und erfordert mitunter sehr viel Können und Fleiß des Lebenslauferstellers.
Was zum Lesen, mit rotem Faden und Überraschung
Der Lebenslauf wird noch vor dem Anschreiben als allererstes gelesen und ist die eigentliche Entscheidungsgrundlage für oder gegen eine Person im Bewerbungsprozess. Wichtig sind dabei folgende Merkmale:
- Einfache Lesbarkeit
- Einheitliche formelle Darstellung
- Und ein Roter Faden, der auf Schlüssigkeit hinweist.

Es gibt für den Lebenslauf keine normierten, also gesetzlichen Vorgaben. Der Lebenslauf zählt vielmehr zu den wenigen Feldern, in denen man vom sog. Gewohnheitsrecht spricht. Dabei sind fünf Faktoren maßgeblich:
- Erstellung mit dem PC
- Tabellarisch
- Lückenlos (hier ist die Herausforderung)
- Wahrheitsgemäß (hier ist ebenfalls eine Herausforderung)
- Sowie mit einer einheitlichen Systematik
Jetzt kommt das besondere, was leider viele Menschen falsch machen – je nach beruflicher Biographie, kommen verschiedene Lebensläufe zum Einsatz, die allerdings fünf obige Merkmale aufweisen.
Der Klassiker – Chronologisch
Es leuchtet ein, dass ein Industriemeister Metallverarbeitung, welcher eine Ausbildung zum CNC Fräser und anschließende berufsbegleitende Aufstiegsfortbildung zum Meister beim gleichen Betrieb absolvierte, einen anderen Lebenslauftyp nutzt, wie ein geflüchteter Migrant, welcher nach Phasen des Spracherwerbs und seiner Statusänderung nun eine Anstellung in einem stationärem Laden sucht, aufweist.
Die meisten Menschen nutzen einen sog. chronologischen Lebenslauf, in welcher wie in einem Zeitstrahl alle Tätigkeiten der Reihe nach aufgezählt werden. Dieser Lebenslauftyp eignet sich für den Industriemeistermetall, er klassifiziert eine berufliche Konstanz, steht für Treue und auch für Durchhaltevermögen sowie einer beruflichen Entwicklung vom Lehrling, zum Gesellen und Meister.
Dieser Lebenslauf entspricht der Norm der alten Arbeitsgesellschaft und wird von Menschen mit ähnlichen Biographien auch angewendet. Lineare Tätigkeiten, hohe Konstanz und innerbetriebliche Aufstiege als systemischer Blickwinkel, gepaart mit persönlichem Wachstum sind das Resultat davon.


Kompetenzprofile – funktionelle Lebensläufe
Die Person mit Fluchthintergrund und dem Wunsch nach einer Stelle im Einzelhandel dagegen würde mit einem linearen Lebenslauftyp dagegen viele Personaler verschrecken und sehr viele Fragezeichen entstehen lassen: Wie wird die Flucht eingebaut? Die Phasen der Integration? Soll die Ausbildung im Herkunftsland erwähnt werden, und etwaige Anerkennungsverfahren?

Hier hilft ein linear-chronologischer Lebenslauf nicht mehr weiter. Ebenso Berufstätige, welche parallel mehrere Tätigkeiten innehatten, Umschüler aber auch Wisschenschaftler:innen nutzen daher den sog. Funktionalen Typ des Lebenslaufes.
Dieser gliedert Thematisch zusammengehörende Blöcke, oder die Tätigkeit in Branche X und Branche Y. Ebenso kann man thematisch zusammengehörende, aber zeitlich auseinanderfallende Aspekte damit gut sichtbar für Personaler erläutern. Funktionelle Lebensläufe haben zudem zwei unbestreitbare Vorteile:
- sie kaschieren geselschaftlich unerwünschte Zeiträume, z.B. Odachlosigkeit oder Prostitution und
- können Gefängnisaufenthalte unsichtbar machen


Hat man eine Weiterbildung erst im Sabattical gemacht, aber die Branche gewechselt, so ist dies gut darstellbar, wenn man einen funktionalen Typ Lebenslauf wählt. Ebenso sollten für jede Tätigkeit folgende Sachverhalte beschrieben werden:
- Inhalte der Tätigkeiten, drei pro Tätigkeit
- Ende der Tätigkeit (Befristung, Umzug, Zeitarbeit oder Eigenkündigung)
- Ort und Branche, wenn die Firma nicht bekannt ist.
Der funktionale Lebenslauf Typ eignet sich für Migrant_innen, für Menschen, welche an- oder ungelernte Tätigkeiten verrichteten, für Menschen, die „Brüche“ im Lebenslauf vorweisen (welche man durch die Funktionalität verschleiern kann) und für alles was stark erkärungsbedürftig ist.
Der Amerikaner – umgedreht chronologisch
Und last but not least gibt es die den „Amerikanischen Typ“, also eine umgekehrte Chronologie. Dies empfiehlt sich bei sehr vielen Stationen (in der gleichen Branche), oder wenn sich das Tätigkeitsfeld seit der Ausbildung stark verändert hat – man hat mal Bürokauffrau mit dem Schwerpunkt Personal gelernt, ist nun aber Disponentin in der Transportlogistik.
Aufsteiger ins Management und Autodidakten in der IT Branche nutzen ebenfalls diesen Lebenslauf.

Sprachen, Führerscheine und IT… was kann man wie und warum?
Werden Sprachkenntnisse angegeben so ist das gebräuchliche Sprachniveau des Europäischen Referenzrahmens also z.B. A2, B1, usw. zu nutzen. Bei Warenwirtschaftssystemen und IT-Tools, die genau eTyp Bezeichnung und eine vorgenommene Form der Skalierung, also Anwender, Fortgeschritten, Experte.
Bei Führerscheinen ebenfalls die Klassen, welche seit 2002 existieren, also z.B. B, BE, C1E usw.
Bei IT Software entweder einheitliche Klassifikationen angeben, oder anhand der Levels Grundkenntnisse, Anwenderkenntnisse oder Expertenkenntnisse angeben. Und immer das korrekte Softwareprodukt benennen.

Jede genaue Darstellung einheitlicher Normen erleichtert dem Leser das Lesen und eliminiert Fragezeichen – das sollte das oberste Ziel sein.
Die persönliche Anschrift kann in eine Kopfzeile eingefügt werden, das erspart Platz und sorgt dafür dass überall die Daten sichtbar sind.
Ei, ei, ei….die Lücke…
Wie unter Punkt XX ausgeführt, unterliegt der Lebenslauf gewohnten Normen und Gebräuchen. Eine Lücke von bis zu 3 Monaten wird als normale Zeit zur Jobsuche akzeptiert. Ist diese Lücke länger, dann sollte diese ebenfalls erklärt werden. Mit einer Fortbildung, einem sozialen Engagement oder der Pflege von Verwandten. Dadurch, dass man dies erläutert, verfolgt man zwei Ziele:
- Man weiß, dass dies als Normverletzung gilt und gesteht somit, dass man zukünftig die Regeln achten wird
- Man lässt Fragezeichen zu Ausrufezeichen im Kopf des Lesenden werden.
Größere Lücken sind immer zu belegen und können, je nach Branche, Stellung und Jobtitel bereits in der Vorauswahl zum Gespräch zu Absagen führen. Und auch in Zeiten des Fachkäftemangels gilt:
Es werden Leute eingestellt, die mit vergleichbaren Normen und Werten aufweisen. Grobe Verletzungen in Form von zu langen Lücken, unpassenden Hobbies oder Freizeitbeschäftigungen sind ein Ausschluss Kriterium. Gib daher nur Hobbies und etwaige Ehrenämter an, welche zu dem Beruf oder zur Branche passen.

Bei Ehrenämtern möchte der Persoaler (m, w, d) zudem die zeitliche Dauer und die Häufigkeit wissen. Keine Firma möchte jemanden ins Team holen, der einem das Gefühl gibt, mehr Zeit im Ehrenamt, als im Betrieb zu verbringen. Ist man z.B. Mitglied im Gemeinderat seiner Stadt, steht dies für bestimmte Kompetenzen wie Verhandlungsbereitschaft, Finden von Kompromissen und dem Übernehmen von Verantwortung, aber im Gegenzug ist man 1mal pro Monat früher von der Arbeit weg.

Wir leben einerseits in Zeiten in denen zwar quantitative Diversität aus allen Ecken und Enden gepriesen wird. Der Preis dafür ist aber eine qualitative Fokussierung auf die Normen und Werte des jeweiligen Unternehmens.
Und angestellt ist man nicht in Firma XYZ, sondern in Abteilung Z, mit Herrn Müller als Vorgesetzten. Und oberstes Ziel ist es, diesen Vorgesetzten innerhalb der Firma gut dastehen zu lassen. Da können bestimmte Hobbies, Ehrenämter und Tätigkeiten mitunter als störend empfunden werden.
Die Gruppendynamik ist ein Teilbereich in der Psychologie, welcher immer wichtiger wird. Aber darum geht es im folgenden Blogartikel über Netzwerke und Vitamin B.
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