- Von René Schindler
- Lesedauer: 8 Minuten
- Lerne eine Strategie kennen, welche dich wirklich zu den Top Positionen bringt und warum du das nicht im Studium lernst.
Oder: Warum Networking gerade in der Postmoderne und in Zeiten des Fachkräftemangels wichtiger ist, denn je.
- Wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden
- Fehlendes Vitamin B
- Für das Leben lernen
- Soziale Kontakte Manager
- Ich vernetze mich – nur wo??
- Aufgepasst

Wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden
Rumms, das hatte gesessen. Das 2:40 minütige Video der jungen Frau aus der Generation Z erhitzte die Gemüter – allen voran diejenigen der Generation Babyboomer. Wurden doch alle Klischees dieser zwischen 99 – 2010 geborenen Generation quasi, im negativen wie im positiven, überfüllt.
Die junge Dame beschwerte sich vor ihrem imaginären Auditorium, dass sie nach Abschluss ihres Studiums einen Job angeboten bekam, in welchem ihr 30 Tage Urlaub, sowie 36.000,-€ Jahresgehalt angeboten wurde. Mit tränenerstickter Stimme fügte sie noch hinzu, dass es frisches Obst dazu gibt (ab Min. 0:18). In der Firma, für die Angestellten.

Als Kausalkette fügt sie hinzu, sie habe die Schule besucht, Abitur absolviert (Leistungskurse Social Media & Darstellendes Spiel?) und studiert samt Abschluss.
Dieses via Webvideoportal veröffentlichte Geständnis, insofern es kein Hoax ist, offenbart zweierlei Dinge:
1) Wie sehr die junge Generation doch scheinbar in einer Blase lebt, die regelmäßig platzt, wenn es zu einem realen Sozialabgleich kommt und
2) dass die junge Generation sehr viel Expertise im Umgang mit Sozialen Netzwerken hat, aber wenig mit echten sozialen Netzwerken umzugehen weiss.
Das augelegte Obst, welches die Firma so anbietet, gehört in vielen Dienstleistungs- und Servicejobs mittlerweile zum Guten Ton. Die Belegschaft soll sich wohlfühlen, man soll gerne Zeit im Büro verbringen und außerdem ist gesunde Ernährung auch besser im Hinblick auf die berufliche Leistungsfähigkeit und niedrige Krankenstände für den Betrieb.
Fehlendes Vitamin B
Und ja, Obst, Getränke und ein toller Kaffeeautomat kompensieren noch lange keine materiellen Dinge, wie zu geringes (oder als zu gering empfundenes) Gehalt oder zu geringer Urlaub. Trotzdem wird fleissig damit geworben.
Nun ist leider nicht genauer bekannt, um welche Stelle es ging und um welche Branche.
Wahrscheinlich handelte es sich nicht um einen Prestigeträchtigen Job im sog. Safebereich, sondern um einen Servicejob – Austauschbar, mit geringer Wertschöpfungskette und durch die hohe Anzahl an Akademiker:innen geradezu bildungsinflationär für Bachelor Absolventen ausgeschrieben, in einem schicken Bürogebäude in der Innenstadt, mit schönen Großraumbüros, höhenverstellbaren Schreibtischen und eben dem besagten Obstkorb.
Warum erfolgt für viele Menschen diese Ernüchterung vom Übergang des Studiums in den Beruf?
Viele Studierenden setzen sich ein Wunschstudium in den Kopf und denken lediglich bis zum Erhalt ihres Abschlusses. Das die Studienzeit nur einen kleinen Ausriss im Berufsleben darstellt, wird ausgeblendet. Ebenso dass ohne Praktika reine Studium reine Wissensverwertung ist, aber man keine Methoden- Sozial- und Individualkompetenzen erfährt, sollte sich herumgesprochen haben. Ebenso das sogenannte Sozialkapital, oder Vitamin B, wie der Volksmund sagt. Also Kontakte in Firmen, in Branchen oder einfach zu Praktikumsstellen. Dafür gibt es keine Studienfächer oder Schwerpunkte. Wohl aber Angebote – wenn der Nachwuchs diese annehmen möchte – und nicht nur auf Social Media Zeit totschlägt
Ebenso die Fokussierung auf den Erwerb Akademischer Abschlüsse – dass es berufliche Bildung gibt, mit exzellenten Fördermöglichkeiten (14 Bundesländer fördern, parallel zum Aufsteigsbafög des Bundes, diese Bildungskarrieren – immerhin auf DQR 6 (Äquivalent zum Bachelor, oder DQR 7, dem Master)) parallel zum Job, also Theorie und Praxis verzahnt – geschenkt.
Für das Leben lernen
Das Ziel vieler Bildungseinrichtungen, Eltern (m,w,d) und Hochschulen ist ein zu starker Fokus an der Studiendauer, den Studieninhalten und Studienbedinungungen. Die 40 Jahre im Job werden völlig ausgeblendet. Gut, das erfährt man auf der YouTube Uni oder der tiktok Akademie leider nicht.
Mit dem Eintritt in die Welt des Arbeitslebens außerhalb von Unis, Hochschulen und dem Bildungssystem, verlassen viele junge Menschen die Komfortzone und merken dass Dinge gefordert werden, für die sie während des Hochschulstudiums nur unzureichend vorbereitet wurden.
Da setzen Trainee Programme großer Unternehmen an, die den Absolventen das notwendige Rüstzeug vermitteln, um im Unternehmensalltag zu bestehen.
Formal kennt das deutsche Arbeitsrecht einen Trainee nicht – es ist kein Ausbildungsverhältnis nach dem BBIG. Und da die Trainees über ein abgeschlossenes Studium verfügen, sind sie auch keine Werkstudenten mehr.
Sondern eben Angestellte, in einem befristeten Arbeitsverhältnis das meist 12-24 Monate geht und in dieser Zeit soll den Trainees der notwendige Feinschliff verpasst werden. Denn, das sei hervorgehoben – wichtiger denn je ist der Stallgeruch, für eine Karriere in der Privatwirtschaft oder im ÖD.
Fachexpertise ist mittlerweile Standardmäßig und beliebig reproduzierbar, der Lebenslauf im Idealfall optimiert (siehe den vorherigen Blogbeitrag) da wird vor allem das Sozialkapital immer wichtiger. Und das wichtigste, ist das soziale Netzwerk. Vitamin B. Kontakte.
Soziale Kontakte Manager
Soziales Netzwerk? Wie?? Da sind sie doch eh alle. TikTok, Instagram Story, Facebook Gruppe, WhatsApp Chats, SnapChat Timeline … was soll daran besonders sein?
Nun, ein soziales Netzwerk bildet sich nicht in Facebook, Instagramm, Snapchat oder Twitter ab.
Das sind nix weiter als Spielzeuge, von reichen Unternehmern uns zur Verfügung gestellt um originäre Betriebliche Aufgaben wie Marktforschung, QM und Sales outzusourcen und alle machen fleissig mit.
Nein, ein echtes soziales Netzwerk ist eine Abbildung von dynamischen Strukturen von echten Menschen. Genauso wie Firmen, Betriebe und die Abläufe innerhalb dessen ein soziologisches System abbilden in welcher die Soziale Interaktion und Kommunikationsiptimierung immer wichtiger wird.
Da ist der Obstkorb nur ein netter Wohlfühlfaktor, den sich das HR oder moderner, das Feelgood Management ausgedacht hat.
Immer mehr Firmen verteilen Prämien an Mitarbeitende, wenn diese Kolleg:innen werben. Und mit wem arbeitet man gern zusammen??
Mit Menschen die man bereits kennt.
Aus anderen soziologischen Strukturen. Dem Feuerwehrverein, der Kita, in der die Kinder sind. Oder aus der Nachbarschaft. Oder einem Berufsverband.

Eine Gruppe ist definiert als mindestens 3 Personen die ein gemeinsames Ziel verfolgen, gemeinsame Normen und Werte teilen und mehr oder weniger institutionalisiert agieren.
Die Mitgliedschaft in einem sozialen Netzwerk gibt auch über folgende Eigenschaften Auskunft:
- Hier engagiert sich jemand
- Die Person ist mit Hierarchien vertraut
- Man arbeitet gemeinsam und verbindlich für ein Ziel
- Man befolgt die Regeln, Normen und Werte des sozialen Netzwerkes
- Man Investiert Zeit, und ärgert sich vielleicht über andere Personen in dem Netzwerk
- Man freut sich aber auch, die anderen wieder zu sehen
- und viele weitere Punkte
Man könnte noch weitere Punkte hinzufügen, aber unterm Strich bleibt es dabei dass man diese Eigenschaften auch auf die Arbeitswelt übertragen kann.
Eine Person, welche sich in einem Verein, einem Club oder einer Organisation ehrenamtlich engagiert (nichts anderes ist ein soziales Netzwerk) würde sich nicht in einem Video eines Webvideoportales darüber elaborieren, dass die Arbeitszeiten doof sind oder die Kollegen oder der Obstkorb. Er würde die positiven Sachen sehen oder sich anderweitig umorientieren.
Was sind denn z.B. allgemeine Soziale Netzwerke?
Alle die in deiner Heimatregion stattfinden, Vereine oder Organisationen:
- Sportvereine
- Trachtenvereine
- Fotografierverein
- Freiwillige Feuerwehr
- Rotes Kreuz, THW
Und viele andere. Bei lokalen Wahlen für das Kommunalparlament oder den Bürgermeister, gewinnt die Person, welche in den stärksten Vereinen vor Ort verankert ist. Das ist oftmals die Trias aus: Sportverein, meistens ein Fußballclub, der freiwilligen Feuerwehr, sowie einem lokal angehauchten Verein.
Diese Menschen in diesen Vereinen arbeiten meistens (auch hier sind viele überproportional vertetene Rentnerinnen und Renter vertreten) und können einem eine wichtige Hilfe sein, bei der Stellensuche. Insbesondere der sog.verdeckte Arbeitsmarkt, also alle nicht öffentlich ausgeschriebenen Positionen, verlaufen über Vitamin B, also Beziehungen, wie der Volksmund sagt.
Ich vernetze mich – nur wo??
Spezieller wird es bei Branchenspezifischen Sozialen Netzwerken, Berufs- oder Branchenverbände zum Austausch gemeinsamer Interessen.
Das können z.B. für Betriebswirte sein:
Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb)
Für Ingenieure:
Verband Deutscher Ingenieure (VDI)
Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE)
Verband Beratender Ingenieure (VBI)
Zentralverband Deutscher Ingenieure e.V. (ZDI)
Bundesingenieurkammer (BingK)
Industriegewerkschaft Metall (IGM)
Für Chemiker:
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GdCH)
Verband angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie e. V. (VAA)
Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e.V. (dgkl)
Verband der Chemischen Industrie (VCI)+
Verband Chemiehandel (vch)
Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC)
Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE)
Für ITler:
Bundesverband IT Mitteltstand (bitmi)
Bitkom
Gesellschaft für Informatik (Gfi)
Im IT Umfeld existieren sehr viele Verbände, welche nicht geregelte Berufs- und Bildungsabschlüsse zertifizieren und diese dienen oft auch als Netzwerk. Eine Übersicht erhält man hier:
Übergreifend für Arbeitnehmer (oder solche die es werden wollen) die Gewerkschaften.
Oder auch Parteien. Hier ist aber zu bedenken, dass dies im Gegensatz zum Engagement in sozialen oder karitativen Organisationen immer mit Ablehnung (je nach Region, Job, und Partei) verbunden sein kann. Als Mitglied eines lokalen Ratsgremiums kann man die Parteimitgliedschaft erst mal weglassen, da diese Tätigkeit ein sog. Öffentliches Ehrenamt darstellt. Auch wenn die meisten Ratsmitglieder selbstredend in Parteien Mitglied sind. Zum Thema Parteien erfolgt ein eigener Blogbeitrag.
Bundesweite Verbände (mit lokalen Niederlassungen)
Technisches Hilfswerk (THW)
Pfadfinderdachverband
Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG)
Diese sozialen Netzwerke dienen nicht nur dem Kontaktaufbau, sondern auch der Profilierung und der Prägung der Persönlichkeit.
Und ja, gesund ist Vitamin B auf alle Fälle auch wie Studien beweisen, dass Kontakte das Leben verlängern.
Sicherlich gibt es darüber auch ein Video auf TikTok. Oder Instagram.
Ganz sicher ist aber – im Obstkorb bekommt man kein Vitman B. Auch nicht von zigtausend Followern auf TikTok. Sondern durch persönliches Engagement, zeitliches Investment und eine rege Verbindlichkeit.

Empfehlenswert sind XING (Schwerpunkt DACH) und LinkedIn (internationaler) als berufliche soziale Netzwerke.
Aufgepasst
Menschen, die einfach einem Verein, Verband o.ä. beitreten, mit der Begründung, bitte serviert mir jetzt gefälligst einen Job oder ein Sprungbrett, schlägt keine Sympathie entgegen. Wie überall, ist ein Ehrenamtliches Engagement in einer Organisation an Regeln gebunden und einige liste ich Dir hier gerne auf:
- Was ist Dein Ziel mit dem Beitritt in das Netzwerk?
- Was kannst DU beisteuern? (Zeit, Engagement, Wissen, Unterstützung usw.?)
- Bleibe authentisch und verbiege dich nicht. Niemand wird von einem Studenten im 2. Semester erwarten, dass dieser mit Menschen, welche Jahrzehntelange Berufserfahrung hat, auf Augenhöhe parliert.
- Sei verbindlich. Sage Termine oder Aktivitäten zu und halte diese ein. Das schafft Vertrauen. Und nein, Würstchen braten am Feuerwehr Stand beim Jahrmarkt Deines Ortes ist keine Qualifikation, welche dich weiterbringt. Aber an den Würstchenstand kommen alle, und Du kommst somit mit allen ins Gespräch.
- Respektiere die Haltung älterer Menschen, für die das Engagement im Verein ein Stück Teilhabe darstellt. Und auch Identifkation.
- Habe zu Beginn keine allzu hohen Erwartungen! Jede Organisation freut sich über neue Gesichter – auch wenn Du dich in der Hierachie erst mal beweisen darfst.
- Notiere Dir Geburtstage, Namen und was Du mit wem besprochen hast – oftmals laufen unsichtbare Bruchlinien durch Organisationen. Höre Dir erst alle Seiten an, bevor Du dich zu einer gesellst.
- Und ganz wichtig: Betrachte dieses Engagement als eine Mischung aus Arbeit und Treffen mit guten Bekannten. Halte Dir vor Augen, dass es auch für unsere Gesellschaft überaus wichtig ist, dass sich Menschen sozial engagieren. (Siehe Blog)
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