Die Guten ins Töpfchen und die schlechten ins Kröpfchen….

Zum aufbewahren und ausgeben
  • Von: René Schindler
  • Lesedauer: 8 Minuten
  • Erfahre, wie Weiterbildung finanziell gefördert wird.

Oder: Welche Fördertöpfe es gibt, um berufliche Qualifizierungen zu finanzieren.

  1. Schulzeit…ach wie schön war das
    1. Welche Arten der Fortbildung gibt es überhaupt?
    2. Nur Bares ist wahres – alle Fördertöpfe der Reihe nach
    3. Fördertöpfe von der Bundesagentur für Arbeit
    4. Bildungsfrei und Spaß dabei
    5. Gratis Angebote für Azubis
    6. Was gibt es sonst noch?
    7. Schön und gut… aber was ist mit nicht beruflicher Fortbildung?

Das Schöne an der Schule ist, dass man viel mit jedem Feierabend (Schulschluss) noch verdammt viel Zeit über hat am Nachmittag. Die kann man für Hobbies, treffen mit Freunden oder was auch immer nutzen.

Und, das wird einem erst später bewusst – der Besuch ist, abgesehen von Privatschulen, kostenfrei.

Im späteren Leben, vor allem als Arbeitnehmer im Beruf, hat man viel später Schluss und darf sich noch durch den Feierabendverkehr plagen… während der freien Zeit auf ein Minimum gesunken ist.

Möchte man sich dagegen Fortbilden, stellt man mit erschrecken zwei Dinge fest:

  • a)  man hat verdammt wenig Zeit dafür
  • b) es kostet auch einiges an Geld…

Ach in der Schule war da alles noch kostenfrei und die Hausaufgaben konnte man oft abschreiben.

Im beruflichen Kontext, auf den ich mich bei diesem Artikel konzentriere, gibt es drei Arten von Fortbildungen:

1. Anpassungs- oder Erweiterungsfortbildungen,
Dazu zählen einzelne Kenntnisse, die für den Beruf unabdingbar sind. Zum Beispiel. Kenntnisse über den Datenschutz Grundverordnung, oder Business Englisch. Diese Fortbildungen werden mit einem Zertifikat oder einer Teilnahmebescheinigung belegt und sollen dem Inhaber bescheinigen, seine Qualifikationen angepasst oder eben erweitert zu haben.


2. Aufstiegsfortbildungen,
welche, einen Aufstieg ermöglichen sollen. Der bekannteste davon ist der Meister, aber auch Fachwirte (eine Branchenbezogene Aufstiegsfortbildung z.B. Industriefachwirt, Handelsfachwirt oder Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen) oder Fachkaufleute (eine Funktionsbezogene Aufstiegsfortbildung (z.B. Fachkaufmann für Marketing o.ä.).

Die Aufstiegsfortbildungen schließen an einen Ausbildungsberuf an und sollen vertieftes Branchen- oder Fachwissen für die Übernahme einer Leitungsfunktion ermöglichen. Die üppigsten Fördertöpfe gibt es in diesem Bereich.

3. Umschlungen bedeuten eine Neuorientierung, wenn man aus Gesundheitlichen Gründen nicht mehr in seinem erlernten Beruf arbeiten kann.

Dieser Bereich wird hier nicht betrachtet, da Umschulungen meist von Trägern wie der Deutschen Rentenversicherung, der Bundesagentur für Arbeit oder dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr stattfinden, es ergo keine Fördertöpfe für Einzelpersonen gibt.

Oft ist eine Umschulung mit persönlichen Krisen verbunden – der Beruf ist Identität stiftend und prägt unsere Persönlichkeit nachhaltig. Ein Bäcker, der wegen eines Unfalles nicht mehr arbeiten kann und deswegen zum Kaufmann für Büromanagement umgeschult wird, leidet mitunter sehr unter der neuen Rolle.

Du hast Deine Ausbildung mit 87 Punkten oder besser abgeschlossen, hast beim Blick in Deinen Personalausweis entdeckt, dass Du unter 28 bist, verfügst (noch) über keinen akademischen Abschluss und arbeitest mindestens 15 Stunden die Wocheund magst Dich weiterbilden?

Herzlichen Glückwunsch, dafür wurde das Weiterbildungsstipendium geschaffen.

Gefördert wird:

  1. fachbezogene Lehrgänge, zum Beispiel Buchführung, Recht, Marketing
  2. fachübergreifende und persönlichkeitsbildende Weiterbildungen, zum Beispiel Fremdsprachen, EDV, Rhetorik
  3. Berufsbegleitende Studiengänge, die auf der Ausbildung oder der Berufstätigkeit aufbauen, können unter bestimmten Voraussetzungen auch gefördert


Du bist ein wenig älter, hast weniger Gute Noten aber möchtest Deinen Meister oder Fachwirt anstreben, Dir fehlt aber das nötige Kleingeld dafür?

Keine Sorge, dafür wurde vor einiger Zeit ein beliebter Fördertopf entbürokratisiert – und an die heutige Zeit modernisiert.

Das ehemalige Meister-BAFöG heißt nun Aufstiegs-BAföG. Denn es werden nicht nur Meister, gefördert, sondern generell alle Aufstiegswilligen, welche die Karriereleiter erklimmen möchten.

Das Aufstiegs-BAföG finanziert unabhängig von:

  •   
    • Einkommen
    • Vermögen oder
    • Beruflichem Status
    • Alter


eine Aufstiegsfortbildung der Stufe 6, dem Bachelor Niveau (Meister, Fachwirtin, Fachkaufleute) oder der Stufe 7, dem Master Niveau (Betriebswirt:innen oder Berufspädaog:innen).

Werden durch das Aufstiegs-BAföG finanziert.

Die Prüfungsgebühren für die Kammer gehen oft in vierstellige Beträge, dazu kommen Tausende Euro für die Vorbereitungskurse der Bildungsträger.

Das Aufstiegs-BAföG finanziert 50% davon als Zuschuss, welcher nicht zurückgezahlt werden muss und darüber hinaus kann man bei der KfW einen Kredit aufnehmen, welchen man, im Falle des Bestehens der Fortbildung nur zu lediglich 50% zurückzahlen muss. Alles in allem bekommt man insgesamt 75% aus dem Fördertopf des BMBF.

Viele Bundesländer möchten dem Fachkräftemangel entgegentreten, und legen aus Landesmitteln unterschiedliche Beträge aus deren Fördertöpfen obendrauf – übrigens unabhängig vom Aufstiegs-BAföG. Grundlage ist das Bestehen der Abschluß-Prüfung und der Beleg vor dem Mittelgeber mittels Zertifikats. Die Höhe der Förderungen für berufliche Aufstiegsfortbildungen reichen von 4.000,-€ in Niedersachsen, über 2.500,-€ in Nordrhein-Westfalen und 2.000,-€ in Rheinland-Pfalz und Sachsen. Bayern zahlt immerhin 3.000,-€ und viele Bundesländer legen 1.000,-€ obendrauf, so in Hessen, Hamburg, dem Saarland oder in Thüringen. Keine Förderung gibt e momentan in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Aber das muss ja nich für die Ewigkeit sein. Eine gute Übersicht bietet Dir dieser Link.

Du arbeitest schon lange außerhalb deines erlernten Berufes oder benötigst dringend wichtige Anpassungs- und Erweiterungsqualifikationen, aber Dir fehlt Zeit und Geld?

Da gibts ab dem 01.0.4.2024 etwas – Das Qualifizierungsgeld.

Je nach Betriebsgröße, Art der Fortbildung und Alter der Beschäftigten wird aus dem Fördertopf großzügig gezahlt – sowohl Entgeltausfall als auch die Kosten der Qualifizierung!

Folgende Grafik verdeutlicht die Förderhöhen anhand Betriebsgröße und Alter:

Mehr zum Qualifizierungsgeld findest Du hier.

Zuschüsse der BA zu Lehrgangskosten (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)
Zuschüsse zum Arbeitsentgelt der BA (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

Die Zuschüsse können um bis zu 15% noch gesteigert werden, bei Vorliegen einer Betriebsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat (insofern vorhanden), gesteigertem betrieblichen Weiterbildungsbedarf und anderen Bedingungen. Das gilt es dann aber in einem Termin mit der Bundesagentur für Arbeit auszutarieren.

Du hast Kompetenzen (vielleicht aus dem Ausland) welche Du aber nicht belegen kannst, und man kann diese nur schwer sichtbar machen? Deswegen fällt es Dir schwer, bei Bewerbungen zu überzeugen? Eine Berufliche Anerkennung dauert lange und kostet Dir zu viel?

Kein Problem, bis Oktober 2024 kann man kostenfrei seine beruflichen Kompetenzen validieren, also gültig machen lassen. Danach wird eine Gebühr fällig, die je nach Kammer variiert. Für folgende Berufe ist das Verfahren gültig, Köche, Fachkräfte für Lagerlogistik, Gebäudereiniger, Frisöre oder Maschnen- und Anlagenführer. Und viele mehr, siehe auf folgendem Link.

An diesen Kammern (IHK, HWK und LWK)-

Alle Kammer, welche am Validierungsverfahren teilnehmen

wird anhand des Berufsbildes und der Eigen-Beschreibung anhand eines Kompetenzbogens die beruflichen Tätigkeiten für ein spezifisches Berufsbild erfasst und mit einem IHK-Zertifikat validiert, also gültig gemacht, bestätigt.. Daher heißt dieser Fördertopf für das Projekt Valikom. Das Prozedere ist bis Oktober 2024 komplett kostenfrei für die Teilnehmer:innen.

Die erwähnten Fördertöpfe sind materieller Natur. Erwähnt werden soll noch die Möglichkeit, Bildungsurlaub zu nehmen. Bildungswas…??


14 von 16 Bundesländern (Bayern und Sachsen haben leider noch keine gesetzlichen Regelungen diesbezüglich) gestatten Ihren Arbeitnehmern für eine Qualifizierung meistens eine Woche frei zu nehmen und das sogar bezahlt. Als Gegenleistung besucht man den Bildungsurlaub und bestätigt dies beim Arbeitgeber mit einer Teilnahmebestätigung. In diesem Video wird das super erklärt

Es gibt weniger Palmen, Meer und Cocktails im Bildungsurlaub, dafür Spass, neue Kontakte und bezahlte Tage frei vom Chef

Typische Anbieter von Bildungsurlauben sind Volkshochschulen, aber auch freie Träger wie Diakonie, Caritas oder DGB. Wichtig ist dass der Bildungsurlaub beim jeweiligen Kultusministerium des Bundeslandes zertifiziert ist.

Gratis Angebote für Azubis

Du bist von Deiner Ausbildung genervt, und könntest alles erst mal hinschmeißen? Der Chef ist blöd, die Kund:innen, und zuhause gibt es Stress? Was bringt Dir eine Fortbildung, wenn Du keine Ausbildung fertig hast? Das Fundament ist ja schließlich wichtig!

Absolut – und daher gibt es ein tolles Angebot für Azubis. Nein, nicht die Assistierte Ausbildung (AsA) der Bundesagentur für Arbeit. Und auch nicht die Einstiegsqualifizierung (EQ). Sonder…. VerA. Häh?? Was für eine olle?? Na, das Programm Verbesserung von Ausbildungserfolgen (VerA). Schnell, unbürokratisch und nachhaltig. Die Zahl der Ausbildungsabbrüche ist zu hoch- und meist liegt es am Umfeld oder an der Motivation. Oder dass einfach eine erfahrene Fachkraft zum Austauschen fehlt. Darüber habe ich ja bereits im vorherigen Artikel geschrieben.

Wie geht das? Na im Tandem. Nein, nicht fahren. Ein Experte im Ruhestand coacht einen Auszubildenden. Kostenfrei, Anonym (also weder Dein Arbeitgeber, Deine Eltern oder Ämter erfahren davon) und nachhaltig. Klingt gut? Probiere es aus. VerA.

Das Werbeflyer des VerA Projektes für die Zielgruppe – also Azubis

Was gibt es sonst noch?

Viele Fördertöpfe haben unterschiedliche Zielgruppen, Finanzierer und richten sich an Individuen oder Gruppen. Man kann stundenlang das Web durchforsten und findet sicher immer wieder neue Projekte. Oder man kuckt sich die Förderdtenbank des Bundes mal an und gibt Scuhbegriffe ein. Egal ob Landes,- Bundes-, oder Europaprojekte -man findet zu allem etwas. Schau doch mal rein und stöbere darin.

Blick in die Förderdatenbank des Bundes

Schön und gut… aber was ist mit nicht beruflicher Fortbildung?

Fast jede Fortbildung kann man zudem als Arbeitnehmer bei seiner Steuererklärung als Werbungskosten ansetzen- dies wird zwar nur zu einem Bruchteil erstattet, und sollte im Kontext des Berufes stehen, aber lohnt sich fast immer. Dies betrifft die Kosten für Weiterbildung, Lernmittel aber auch Reisekosten zu Veranstaltungsorten.

Der Erwerb von Qualifikationen und das Lernen ist als Erwachsener, im Berufsleben stehender Mensch
mitunter sehr steinig – man ist aus dem Lernen raus, hat vielleicht zahlreiche Verpflichtungen und nicht immer den Nerv dafür- mit einer guten Lernatmosphäre und tollen Dozenten ist dies aber ein Gewinn. Mit entsprechenden Fördertöpfen und Netzwerken wird man in jeder Lebenslage unterstützt.

Probiere es doch mal aus.

KopfArbeit

BBQ – Alles rund um Bildung, Berufliches und Qualifikationen








Hinterlasse einen Kommentar