
- Von: René Schindler
- Lesedauer: 10 Minute
- Erfahre, wie du jede mündliche Prüfung wuppst
Oder: Was die Besonderheiten von mündlichen Prüfungen sind und warum Du davor keinen Bammel haben brauchst.
- Drum prüfe, wer sich ewig bindet…
- …wie wird die mündliche Prüfung überwindet?
- Verschaffe Dir einen Überblick
- Mündliche Prüfung – die Besonderheiten
- Tief oder breit – wie hast Du es gern?
- Bewertungsfehler
- And the Winner is..
Drum prüfe, wer sich ewig bindet…
Ankreuzen, ausführen, Stellung beziehen, erläutern, zuordnen, hierarchisieren – für schriftliche Abschlussprüfungen gibt es viele Methoden, das Wissen zu präsentieren.
Tobias hatte sich super gut vorbereitet, sich Lernapps zu gelegt, in seiner Peergroup regelmäßig gepaukt und natürlich alte Klausuren besorgt. Er hat fleißig angekreuzt und aufgeschrieben, berechnet und sich die Lösungsschlüssel angeschaut, und lernte so mehr und mehr für die wichtige schriftliche Abschlussprüfung in einigen Wochen.
„Das ist echt suuuper easy“, Er fühlt sich sehr gut vorbereitet und nutzt die vielfältigen Medien für die Prüfung. Egal ob Multiple Choice, Rechenaufgabe oder Zuordnen – er kennt sie mittlerweile alle. Sehr diszipliniert geht er die Sache an, ihm ist der Abschluss wichtig.
Das habt ihr echt meiner Generation voraus“, sage ich etwas neidvoll. „Ich musste Vokabelhefte mitschleppen, Bücher und mein ganzes Schreibzeug. Du hast deine Apps, in denen du etwas herumwischst und Dir unterwegs in der Bahn den Lernstoff spielerisch aufbereitet lernen kannst.“ Das ganze herumgeschleppe entfällt, zig Bücher die sich stapeln und richtig Lernen geht echt nur am Schreibtisch.
In den 1990ern in einem Zugabteil lernen, hieß Aktenordner ausbreiten, Vokabellernkarten daneben und den DIN A 4 Block, kariert, fleißig bekritzeln. Fremdschämgefühl inklusive. Die typische Lernhaltung war sitzend – am Schreibtisch, und man erhob sich davon nur, um sich etwas zu trinken oder Kekse zu holen.
„Da habt ihr es heutzutage echt cooler, die Neurowissenschaften haben belegt, wie wichtig Bewegung und Vielfalt im Lernen sind. Damit bleiben Dinge im Kopf.“
Die Vielzahl an Lernapps sprechen alle Sinne an – es gibt Audiofiles für zum chillen und dem vertiefen des Lernstoffes, PDF-Skripte, Interaktive Lerngames und natürlich alle Prüfungen digital. Und alles passt in ein kleines Gerät, das normalerweise zum Telefonieren genutzt wird.

„Aber eine Sache kotzt mich an.“ Tobias verzieht dabei die Mundwinkel und schaut angewidert „Das ist die mündliche Prüfung. 45 Minuten in diesem Raum, die drei Prüfer stieren dich an und wollen dich extra in die Pfanne hauen. Man hat mündlich echt weniger Chance.“
…wie wird die mündliche Prüfung überwindet?
Puh, das hat gesessen. Scheinbar gibt es trotz KI und Lernapps doch noch etwas, was die heutigen Azubis doch nicht so leicht wuppen können, den ultimativen Endgegner quasi. Fies, gemein und unüberwindbar: Die mündliche Abschlußprüfung!!!
„Tja weißt Du Tobias, eben weil die Digitalisierung so weit fortgeschritten ist und es mit den KI Apps nun Methoden gibt, die in sekundenschnelle ganze Aufsätze generieren, ist das Wissen alleine nicht mehr so relevant wie zu früheren Zeiten.“
„Verstehe ich nicht – die Prüfungsordnung schreibt doch vor, was wir können müssen. Dass das ganze Wissen im Internet steht dafür kann ich doch nichts.“ Da stimme ich ihm wohl zu. „Nein, aber Prüfungen haben die Eigenschaft, fürs echte Leben vorzubereiten und im echten Leben kann absolut jeder KI nutzen. Daher verschiebt sich der Fokus von kognitiven, also wissensaffinen Inhalten hin zu kommunikativen und Transferinhalten.“
Einen Text kreieren, das können KI-Apps in sekundenschnelle. Aber eine tolle, ansprechende Präsentation halten, dabei die Zeit im Blick haben, das wesentliche rüberbringen, und rhetorisch stark zu überzeugen, dass ist eine Herausforderung, die es zu meistern gilt.
„Weißt Du wie Du am besten vorgehst dabei?“ frage ich Tobias. Er schaut mich mit hängenden Schultern an, das Handy, seine ultimative Geheimwaffe für die schriftlichen Prüfungen sonst selbstbewusst immer parat, baumelt in seiner Hand.
„Nein…..“ äußert sich Tobias resigniert und mit hängenden Schultern.
Und ich gab ihm den ultimativen Mündliche Prüfungs Hack an die Hand – Kreativ-Arbeit, nicht KI, heißt die Devise.
Verschaffe Dir einen Überblick
Es gibt viele Arten, von mündlichen oder Praktischen Prüfungen. Die Simulation wäre hier zu nennen. Darin spielt ein Prüfer quasi einen Kunden, und der Prüfling darf das Gespräch führen und mit Erfolg alle möglichen, vom Prüfer eingestreuten Hindernisse umschiffen. Dabei kommt es vor allem auf kommunikative Kompetenzen an, sowie das eingehen auf den Kunden.
Die Präsentation ist eine weitere Form. Dabei soll eine Fragestellung dargestellt werden und vor allem mit Präsentationsmitteln, PowerPoint Folien, Flipchart oder Metaplankarten dies den Prüfern nahegelegt werden. Hierbei wird vor allem Wert auf ein souveränes und sicheres Auftreten gelegt und wie abstrakt man Sachverhalte darlegen und erklären kann.
Das Fachgespräch kann auch eine Form einer mündlichen Prüfung sein. Oft hat der Prüfling zwei Sachverhalte zur Auswahl, die er in Ruhe durchlesen darf, um sich für eine zu entscheiden. Mit einer kurzen Vorbereitungszeit geht es dann in den Austausch mit den Prüfern.
Oder man verteidigt eine abgelegte Arbeit, eine Projekt- oder Hausarbeit, welche in schriftlicher Form bereits ausgearbeitet vorliegt und in welcher der Prüfungsausschuss weniger auf fachliches eingeht, sondern mehr die Methodik nachvollziehen möchte und wie sattelfest der Prüfling im Thema ist.
Ganz egal welche Form der mündlichen Prüfung dir begegnen sollte – in der Prüfungsordnung ist das jeweilige Prüf-Instrument festgelegt und beschrieben. Des Weiteren wird oft auch nachzulesen sein, wie lange diese Prüfung dauert. Das setzt Deinen Rahmen, und Du solltest stets die Uhr stets im Blick haben. Ein dahinrasen ist wenig vorteilhaft, ebenso wie jemand dem die Zeit, zum Beispiel für eine Präsentation nicht reichen sollte.
Mündliche Prüfung – die Besonderheiten
Flüchtige Prüfungsleistungen werden solche mündlichen Prüfungen im Fachjargon genannt. Es leuchtet ein, denn es existiert kein Papier, auf dem dies festgehalten wird. Der Prüfungsausschuss darf fleißig mitnotieren, was gesagt wird. Und Du bist die Hauptrolle, wie auf einer Bühne trittst Du quasi an, um die Prüfungsausschussmitglieder zu überzeugen. Dazu gehört, dass Du im Thema sicher bist. Oder dir die Örtlichkeiten mal aufsuchst und Dir genauer anschaust.

Gibt es einen Flipchart, oder einen Beamer, wie sind Steckdosen, Fenster oder Jalousien? Je nach Art deines Mediums ist so etwas wichtig. Kannst du etwas über die Prüfungsausschussmitglieder in Erfahrung bringen?
LinkedIn, Xing oder andere berufliche Soziale Netzwerke können Dir gut weiterhelfen. Wissen braucht Transparenz. Und die Prüfungsausschuss (PA) Mitglieder sind quasi deine persönliche Hürde. Ist die schriftliche Prüfung noch statischer und meist zentralisiert erstellt, so fließen in mündlichen Prüfungen oft die persönlichen Vorlieben der einzelnen PA-Mitglieder ein. Vielleicht können andere, erfolgreiche Prüflinge über die Mitglieder etwas sagen. Was ist sein Steckenpferd, worauf legt er oder sie wert?
Ein weiterer Pluspunkt gegenüber mündlichen Prüfungen ist derjenigen der Interaktion. Hast Du eine Frage einmal nicht verstanden, bitte die Prüfer die Frage zu wiederholen und gegebenenfalls zu paraphrasieren, also diese mit eigenen Worten umzuschreiben. Dadurch gewinnst Du Zeit, sagst nichts falsches und kannst bereits im Kopf mögliche Antworten vorformulieren. Was du stets vermeiden solltest, ist das stille anstarren der Prüfer:innen, weil du fieberhaft eine Lösung finden musst. Denke gerne laut. Also „Ich weiß, dass A und B falsch sind, bei C bin ich mir nicht sicher… „
Viele Prüfer:innen steigen unterstützend ein und bemerken diese Hilfestellung bei der Bewertung oftmals nicht. Schweigt man aber, so kann man sich auf einen wahren Teppich an Fragen gefasst machen.
Ebenso sollte man versuchen, etwas über die Ausschuss Mitglieder in Erfahrung zu bringen. Am ehesten helfen da sichere Erfahrungen von Personen, welche bereits eine Vorstellung bei dem Prüfungsausschuss hatten. Da ist es besonders hilfreich zu wissen, welche Fragen der oder die Prüfer:in stellt. Welchen Fokus hat er oder sie? Aus welchem Bereich kommt dieser?
Wie schon erwähnt, auch berufliche soziale Netzwerke wie Xing oder LinkedIn helfen weiter, wenn man die Namen der Prüfenden hat. Dort kann man einsehen, wo diese arbeiten welchen Background sie haben und welche Spezialisierungen. Ein versierter Controller wird mit Detailfragen im Rechnungswesen eher aus der Hüfte geschossen kommen, als zu Themenbereichen wie Personal oder Marketing.
Tief oder breit – wie hast Du es gern?
In der schriftlichen Prüfung ist es soweit klar, dass in mitunter komplexen Aufgaben und Themenfeldern tieferes Wissen abgefragt wird, als dies in der mündlichen möglich ist. Mündlich wirst Du eher mit einem Wissen in die Breite rechnen dürfen, es steht dafür Handlungsorientierung und Methodenkompetenz im Vordergrund – weniger reine Wissensabfragen.

Das geben die meisten Prüfungsordnungen auch nicht mehr her. Da man auch im beruflichen Alltag, reine Wissenstätigkeiten mittels Internetabfrage oder auch KI super schnell quasi outsourcen kann. Aber das einordnen dieser Informationen, das transferieren auf fremde Sachverhalte, die kreative Darstellung von Zahlenkolonnen zu einer Präsentation um eine Entscheidung zu forcieren – das sind alles Kompetenzfelder, welche in naher Zukunft die KI niemals wird ersetzen können.
Und das ist auch der Punkt – bei einer flüchtigen Prüfungsleistung wie einem Präsentationsgespräch oder einer Simulation werden andere Felder angesprochen, als beim schriftlichen. Eine schriftliche Prüfung kann man sich als Korrektor morgens, nachmittags oder abends ansehen. Der geschriebene Sachverhalt von Prüflingen bleibt der gleiche. In einer mündlichen Prüfungssimulation aber hat man ein Zeitfenster, die Prüfer für sich zu gewinnen – diese aber müssen in einem viel kürzeren Zeitfenster die Bewertung vornehmen, weil danach noch weitere Prüflinge kommen.
Bewertungsfehler
Daher ist es wichtig, sich einige Bewertungsfehler basierend auf der Psychologie vor Augen zu führen – und diese interaktiv und vor allem kommunikativ abzufedern. Für den Prüfungsausschuss ist eine Prüfungssituation auch mit Stress verbunden. Prüflinge, welche ihnen das Gefühl geben, dass alles super läuft, sie positives Feedback bekommen und wohlwollend kommunizieren können viel Boden gut machen.
Kucke wir uns mal einige dieser Beurteilungs-Fehler mal an:
Halo-Effekt:
Kennst Du das, wenn man manchmal von einem Merkmal einer Person besonders stark beeindruckt ist. Von solch einer Eigenschaft ist man dann so fasziniert, dass auf den ersten Blick gar nicht weiter auffällt, wie damit alle anderen Eigenschaften der Person „überstrahlt“ werden. Das ist der Halo-Effekt
Vorurteile:
„Lange Haare, kurzer Verstand.”, oder “Die heutigen Absolventen sind bequemer als frühere.“ Oder: „So viele Piercings, die kann nur dumm sein.“ Sei auf der Hut, was du zeigst und welche Kleidung du trägst. Vor allem in der Prüfung.
Mitte Effekt
Leider ist die goldene Mitte nicht immer sinnvoll. Besonders dann, wenn es um Bewerten von Prüfungsleistungen geht. Durchschnittliche Bewertungen entstehen aus der Neigung, extrem gute bzw. schlechte Bewertungen vermeiden zu wollen
Andorra Effekt:
Benannt wurde dieser Effekt nach dem Drama Andorra des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. “Man wird so, wie man beurteilt wird”. Die Aussage: “So werden Sie ihre Prüfung nie bestehen!“ ist eine, sich selbst erfüllende Prophezeiung. Die Erwartungen, die ein Prüfer in den Prüfling setzt, beeinflussen deren Verhalten.
Tendenz zur Milder oder Strenge:
Wer kennt das nicht. Bei der Tendenz zu Strenge sagt sich der Prüfer: „Wenn ich ein “sehr gut” gebe, dann wäre der Prüfling ja besser als ich“.
Wenn man also auf die Frage reagiert: Erwarte ich mehr von dem Prüfling, als von mir selbst? – unterliegt man diesem Effekt.
Es gibt aber auch die Tendenz zur Milde. Dabei nimmt man zu viel Rücksicht auf seine Prüflinge. Hierdurch ist das, Anspruchsniveau faktisch niedriger.
And the Winner is..
Tobias rief mich 2 Wochen später an. „Man“ rief er aufgeregt, “das war so wie Du gesagt hast. Ich betrat die Bühne, war vorbereitet, begrüßte den Ausschuss und interagierte mit Ihnen super und am Ende gaben die mir eine 1.“
Ich musste schmunzeln. „Nein Tobias, Du hast die die 1 in der Prüfung verdient und sie bekommen, Noten werden nicht vergeben, man muss sie sich hart erarbeiten.“
Also – betrete Deine Bühne, sei ein Star und hol sie dir! Deine gute Note in der mündlichen. Wenn Du Hilfe benötigst – melde dich bei mir.