Wärst Du gerne ein Superheld?

  • Von René Schindler
  • Lesezeit: 12 Minuten
  • Erfahre, welche berufliche Qualifikation man kaum erlernen kann und was daran so besonders ist

Oder: Was haben Betriebsräte mit Superman denn eigentlich gemeinsam?

Brave man keeps arms crossed, looks confident, casting a superhero with cape shadow on the wall. Ambition and business success concept. Leadership hero power, motivation and inner strength symbol.

Es gibt Personen, die sehen ganz „normal“ aus – aber haben bei genauer Betrachtung „Superkräfte“ (Quelle: iStock)

Inhalt:

  1. Warum Superhelden?
  2. ….und Betriebsräte
  3. Wie jetzt…?
  4. Fünf Faktoren, die in einer Demokratie wichtig sind
  5. Eine kurze Zeitreise…
  6. Was muss ein Betriebsrat alles können….?
  7. Kompetenzprofile von Menschen in manuellen Jobs…
  8. Die Quintessenz
  9. Brückenbauer und Kämpferherz

Stell Dir vor, Du stellst Dich furchtlos „Schurken“ in den Weg, stehst für das Gute ein und verfügst über ungeahnte Superkräfte….?

Spider-Man, Superman, Batman und viele andere Superhelden aus den Comic Universen begeistern Jung und Alt. An Karneval sind diese Figuren beliebte Vorbilder für die Kostümierung der Menschen.

Der Reiz liegt weniger an den Verkleidungen als vielmehr an den besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten, über welche diese Helden verfügen. Mut, Stärke, Durchsetzungskraft – das sind die persönlichen Fähigkeiten, mit denen Superhelden Punkten.

Natürlich hat jeder Superheld eine bestimmte Fähigkeit, die ihn besonders macht. Und natürlich werden diese Superhelden von den Menschen verehrt, sie sind beliebt und werden für ihre Taten gefeiert.

Der Wunsch, ein Superheld zu sein ist oft tief verwurzelt mit der fachlichen Power, welche diese Figuren besitzen. Tief darunter verborgen finden sich bestimmte Eigenschaften, welche jede Peson gern insgeheim hätte….

Was ist das Besondere eines Mitgliedes eines Betriebsrates (BR) nach dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)?

Nun, diese „Spezies“ unter den Arbeitnehmer:innen ist von der Belegschaft durch Wahlhandlung legitimiert, bewegt sich in einem dafür geschaffenen rechtlichen Rahmen (dem BetrVG) und besitzt umfassende Mitwirkungs,- Bestimmungs,- und Anhörungsrechte in den Betrieben und Dienststellen.

Der Auftrag für einen Betriebsrat: im Sinne der Belegschaft handeln und deren Interessen gegenüber dem Arbeitgeber vertreten. In Bereichen wie der Einstellung und Entlassung. Der Weiterbildung und Versetzung. Oder der Gestaltung von Sozialräumen oder dem Anfallen von Überstunden.

Sein Gegenüber: Der „Schurke„. Der Chef. Das Management.

Die ideale Projektion für klassenbewusste und ideologisch motivierte Betriebsräte – Der Chef als Bösewicht

Das besondere an einem Betriebsrat ist – niemand bereitet diese gewählten Personen fachlich auf diese mitunter anspruchsvollen Aufgaben vor. Keine Hochschule hat Studienschwerpunkte in Mitarbeitervertretung, sieht man von Kaderschmieden der Gewerkschaften, wie dem House of Labour mal ab.

Keine Kammer bietet Aufstiegsfortbildungen dafür an. Lediglich die Essenz, kann man lernen: Einerseits das Individual- sowie das Kollektivarbeitsrecht.

Es existiert kein einheitliches Qualifikationsprofil für diese anspruchsvolle Tätigkeit. Keine Mindestqualifikation, keine staatliche Zertifikatsprüfung oder gar ein Verbandsinternes Testat einer Arbeitnehmervertretung von z.B. einer Gewerkschaft.

Die einzige Qualifikation, welche dieses Amt formell legitimiert – ist die mit Mehrheit von den wahlberechtigten Arbeitnehmer:innen eines Betriebes mandatierten Personen, welche dem Betriebsrat für mindestens 4 Jahre angehören. Und geregelt ist das ganze im BetrVG. Mit derzeit 132 Paragraphen.

Aber was hat nun jetzt ein Arbeiter im Blaumann, oder ein Fensterputzer oder eine Servicekraft in der Systemgastronomie nun mit einem Superhelden im blauen, körperbetonten Anzug mit rotem Cape nun gemein?

Der Arbeitnehmer (m, w, d) kann weder fliegen, noch Laser abwehren oder Tonnenschwere LKW mit bloßen Händen aufhalten…. (Das würde den Betriebsrat auch veranlassen, eine Umgruppierung im Tarifgefüge, insofern vorhanden, des Betriebes vorzunehmen.)

Wieder also so eine reißerische Überschrift, welche rein auf Clickbait und Zeitverschwendung aus ist?

Nein, denn das wissen die Leser:innen dieses Blogs für Bildung , Beruf und Qualifizierung aber bereits.  Bildung ist die Währung unserer heutigen Zeit. Für formale Bildungsabschlüsse wie einen Master, oder Aufstiegsfortbildungen nach dem BBIG, wie einem Fachwirt, Fachkaufleuten oder einem Betriebswirt:inneb, investieren Menschen viel Zeit, Aufwand und Geld.

Es leuchtet ein, dass ein solcher Bildungsabschluss der Eintritt in eine Berufswelt mit steiler Karriere ermöglichen kann.

Aber auch sog. non-formale Qualifikationen, welcher keiner Regulierung unterliegen und oftmals nur Verbandsintern zertifiziert werden, stehen hoch im Kurs. Das betrifft oft methodische Qualifikationen rund um die IT, das Qualitätswesen oder vor allem kommunikative Fertigkeiten.

Da ist insbesondere das Neuolinguistische Programmieren (NLP), ein Destillat aus Techniken und Methoden der besten Therapeuten der USA aus den 70ern zu nennen, aber auch zunehmend die Mediation, ein vorgerichtliches Einigungsverfahren, oder Systemische Methoden.

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2 Antworten zu “Wärst Du gerne ein Superheld?”

  1. Super Beitrag! Viele haben schon längst Qualis. aber sie wissen es nicht. Non Formale Qualifikation eine großes Thema in der/für die Zukunft. René wie Du auch schonmal erwähnt hast, in Deutschland zählen die Qualifikationen auf Papier, ein Vorteil oder Nachteil- anderes Thema, viele die diesen Beitrag lesen wissen: Qualis und Wissen ist wichtig, aber dieses bestimmte Bauchgefühl braucht man auch. Es fehlt aktuell vielen Führungskräften, . . . wieder aber ein anderes Thema. 🙂

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